Goldmann 2012
Goldmann 2012

David Halperin – Der Tag, an dem das UFO vom Himmel fiel

 

Durch die Fantasie zur Wirklichkeit

 

David Halperin lässt den Leser von Beginn an nicht wirklich im Zweifel darüber, dass er im Rahmen einer sich immer weiter ausweitenden Science-Fiction Geschichte tatsächlich vordergründig nur eine Fantasie in der Fantasie ausformuliert. Schon auf den ersten Seiten des Buches wird deutlich, dass für die Figur des jugendlichen Danny Shapiro die Fantasie das Sein bestimmt, zumindest zunächst, dann stärker werdend, bis das Buch zum Ende hin eine dann doch Wendung in die Realität der Figur hinein nimmt.

 

UFO Forscher, so versteht sich Danny, mit seinem engsten (und einzigen) Freund zusammen. Mit dem ihn vor allem eben jene Suche nach einem vermeintlichen UFO verbindet.

 

„Das UFO fiel in der Nacht vom 20-Dezember 1962 vom Himmel“.

 

Und nun, im Jahr 1966, macht sich David auf den Weg, den Spuren des UFO´s zu folgen. Und erzählt durchaus auch von der zurückliegenden Ein Weg, auf dem plötzlich neue Haltestellen der Buslinie auftauchen, ein Mädchen eine Rolle spielen wird und durchaus fantastische Erlebnisse auf David warten. Dem Einzelgänger, Eigenbrötler. Nach kurzer Zeit aber wird bereits deutlich, dass David einer ist, der sich in sich selbst zurückzieht, in seine Fantasie, der damit den Gegebenheiten um sich herum entflieht. So ist und bleibt es lange verschwommen,  was denn genau und real passiert, wieweit Davids ständige Eintragungen in sein Tagebuch reiner Fantasie entspringen oder doch an der Wirklichkeit anhaften.

 

Einer Wirklichkeit mit einer kränkelnden Mutter, die ihre Krankheit schwer atmend wie ein Schutzschild vor sich her trägt. Eines distanzierten Vaters, der kein Verständnis in irgendeiner Hinsicht für seinen Sohn zeigt, der noch nicht einmal ein wirkliches Grundinteresse für diesen Sohn aufbringt. Und eine Wirklichkeit eben, in der David kein bisschen ein Held ist. Was Wunder, dass er sich davon wegträumt, in Abenteuer hinein.

 

„Ich erforsche UFO´s, weil sie, im Gegensatz zu Gott, real sind und man sie sehen kann“.

 

So real, wie Rosa Paglianos, das Mädchen, für das Danny schwärmt? Und in stiller Eifersucht entbrennt, weil sein bester Freund mit Rosa ebenfalls eng  verbunden zu sein scheint?

 

Aber so wichtig ist das alles letztendlich gar nicht. Unterhaltsam und durchaus auch spannend schreibt David Halperin von der UFO Suche seines Protagonisten und nimmt den Leser damit gut hinein in diese Welt äußerer Einsamkeit, dem Gefühl, nicht gewollt zu sein, dem nicht zurechtkommen mit der familiären Situation und der eigenen Personen. Der ständigen Verwirrung und Zurückhaltung von Gefühlen, die sich dann doch zum Ende hin Bahn brechen werden und dürfen. Und führt den Leser weiter dazu, mit zu erleben, wie durch die sich steigernde Fantasie und die vielen Überlegungen des Jungen mehr und mehr eine Kurve zur Realität genommen wird, die Erkenntnis reift, dass er sich am Ende doch den Umständen so, wie sie sind, zu stellen hat. Falls es ihm noch gelingen wird.

 

Wie ein Mensch in und durch seine Fantasie tatsächlich für die Realität reifen kann und dass auch eingebildete Erlebnisse real intensiv ausstrahlen können, dies beschreibt Halperin in einer fundierten und sprachlich flüssigen Form. Als könnte es auch so gewesen sein.

 

M.Lehmann-Pape 2012