Heyne 2013
Heyne 2013

Dean Kontz – Schwarze Fluten

 

Odd Thomas gegen „Das Böse“

 

Das muss man schon mögen, diese Figur des Odd Thomas und wie Dean Kontz diese auch schon in den vorhergehenden Bänden angelegt hat.

 

Trocken, ironisch und selbstironisch bis zur Überzeichnung, immer einen, teils auch verqueren, Scherz im Sinn, so dass man als Leser zunächst kaum in bedrohliche Stimmung gerät. Trotz oft gefährlicher Momente im Buch.

Selbst wenn Odd direkt angegriffen wird, verzweifelt die Griffe eines Futterkastens von Innen festhält, während von Außen bestialische Kreaturen an der Kiste rütteln, selbst da durchbrechen die lockeren Haltungen Odds das gewohnte Schema eines Grusel-Schockers.

 

„Diesen Gestank als Körpergeruch zu bezeichnen, wäre so unangebracht gewesen wie zu sagen, ein fauliger Kohlkopf würde nicht so gut duften wie eine Rose“.

 

Odd, der seine besonderen Gaben und Talente hat, der die Geister Verstorbener sieht, ist mit seiner weiblichen Begleitung auf Roseland zu Gast. Eine Begleitung, hochschwanger, die er vor kurzem erst kennengelernt hat und deren Schutz er intuitiv übernommen hat. Odd und Annamaria spüren ein untrennbares Band zueinander, das nichts mit der alten Mann-Frau Geschichte zu tun hat („Was immer uns verband, Romantik war nicht dabei“). Und ein weiblicher Geist, der ihn flehentlich bittet, auf ein, ihm noch unbekanntes Kind aufzupassen.

 

Noah Wolflaw (Nomen est Omen), erfolgreicher Filmproduzent, ist Herr von Roseland und, so scheint es, zumindest informiert über die unerhörten, dämonischen Vorgänge auf dem Anwesen. Vorgänge, die Odd erlebt, aber nicht wirklich einordnen kann. Wie auch nicht die kryptischen Warnungen des Gedichte lesenden Wachmannes Henry.

 

So streift Odd durch diese Ländereien auf dem „Grat zwischen hier und drüber“, versucht, die merkwürdigen Personen und Ereignisse einzuordnen, die ihm begegnen, sucht das ominöse Kind und erlebt Seite für Seite, wie das Gefühl drohender Gefahr stärker wird.

 

Umgehend und mitten hinein wirft Dean Kontz den Leser in diesem Buch. Schon in den ersten Szenen ist klar, dass hier das Übernatürliche und Dämonische eine entscheidende Rolle spielen wird, kein langsames „Anschleichen“ von Grusel, sondern direkt mitten hinein, das ist der Weg dieses Buches.

Ein Weg und eine Suche, ein sich Erwehren der Gefahren, an der Odd Thomas den Leser wie in einem ständig vor sich her laufenden inneren Selbstgespräch teilhaben lässt. Trocken, ironisch, aber auch mit düsterer Seite. Und dennoch letztlich immer wieder seine „beschwingte“ Haltung einnimmt.

 

„Wieso ich so beschwingt bin, weiß ich auch nicht. Wenn mir irgendwann klar wird, wieso ich selbst in der dunkelsten Dunkelheit noch Humor aufbringe, wird der Leichenbestatter womöglich meine Nummer wählen“

 

Eine besondere Form voller Humor und mit legerer Hauptfigur wählt Dean Kontz in diesem Thriller, ohne die ernsthafte Bedrohung und die „Bösen Kräfte“ lächerlich zu gestalten. Eine andere, anregende und interessante Unterhaltung, die das Buch bietet.

 

M.Lehmann-Pape 2013