Droemer 2015
Droemer 2015

Douglas Preston, Lincoln Child – Lost Island

 

Odysseus

 

An einer Stelle beschreiben die Autoren einen Ort der Handlung im neuen Abenteuer ihres durch ein Aneurysma zum Tode verurteilten Gideon Crew als „Handlungsort wie aus einem B-Movie entsprungen“.

 

Ein wahrer Satz, nicht nur, was den Ort angeht. Wobei B-Movies ja durchaus unterhaltsam sein können…. Denn wie ein B-Movie wirkt letztendlich auch dieser neue Roman um den smarten und gutaussehenden Helden.

 

Sind die hoch erfolgreichen Pendergast-Thriller des Autorenduos voll versteckter Wendungen, überraschender Momente und gekennzeichnet durch, zumindest teilweise, filigran und differenziert ausgestaltete Charaktere inmitten einer zwar mystischen, aber am Ende an der Grenze zur Realität immer wieder die Balance findenden Atmosphäre, so lassen es Preston und Child bei ihrem Gideon Crew so richtig „krachen“.

 

Maschinengewehre und Explosionen auf hoher See. Wesen, die kaum „von dieser Welt“ sind, klar konturierte und eher stereotype Protagonisten, ein unwiderstehlicher und natürlich hoch intelligenter Held, der sowohl allerbeste Alarmanlagen außer Kraft zu setzen versteht wie als Free-Climber glänzt (da scheint das Herumreiten der Autoren im Buch was die mangelnde See-Festigkeit Crew´s angeht nur ein kleiner Versuch zu sein, auch mal eine Schwäche an dem Mann fest zu machen).

 

Einer, der alles in den Griff bekommt und dessen vermeintliche Schwächen eher aufgesetzt wirken als die vielfachen Stärken.

 

Dazu ein „Auftrag“, der ebenfalls mystische Dimensionen besitzt (und von der „verlorenen Welt“ zur „geheimnisvollen Insel“ über „antike Geschöpfe“ bis hin zum „Wundermittel“ alle Zutaten besitzt für ein krachendes Popcorn Kino ohne den Leser allzu sehr mit Schattierungen oder hintergründigen Wendungen anzustrengen.

 

Klare und temporeiche Unterhaltung (mit einem Augenzwinkern und  nicht allzu ernst zu nehmen) liefern die Autoren dabei durchaus flüssig, mitsamt Explosionen, Intrigen, Gier und einer sich andeutenden Liebesgeschichte (die anders enden muss, als gewohnt, siehe das „Todesurteil“, das im Kopf Crew´s seine Bahnen zieht).

 

Auf der anderen Seite kommt dieser Roman einfach zu routiniert, zu glatt, zu wenig in Handlung und Personen ausgestaltet daher, als dass er dauerhaft fesseln würde. Wie ein klassischer B-Film eben. Unterhaltsame Lektüre für nebenbei, aber bei Weitem nicht so anregend, emotional dicht und leicht surreal, wie die bekannten Pendergast-Thriller des Autoren Duos.


M.Lehmann-Pape 2015