dtv 2012
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E.L.Greiff – 12 Wasser. Zu den Anfängen

 

Tolkien lässt grüßen

 

Durchaus werden in Aufbau und Grundgeschichte Erinnerungen an Motive aus dem „Herrn der Ringe“ geweckt in diesem Debüt Roman von E.L.Greiff.

 

Gefährten finden sich zusammen (in aller Breite und ruhig und langsam geschildert). Eine große Aufgabe, nichts weniger als die Rettung der bekannten Welt (mit dem sehr aktuellen und durchaus realistischen Motiv eines Versiegens des Wassers) steht an, fantastische und magische Elemente (durchaus diskret und verhalten eher genutzt) tauchen auf (ein telepatischer Falke, der eng verschweißt mit seinem „Hirten“ Babu ist, der ihm „von herz zu Herz“ verbunden ist) und vielfache Gefahren warten auf die einzelnen Protagonisten dieses episches Werkes und die sich zusammenfindende Gruppe im Gesamten.

 

Durchaus aber eigenständig vermag es Greiff, seine Welt „Pram“ zu gestalten, auch wenn sein epischer und teilweise pathetischer Stil ebenfalls Ähnlichkeiten mit Tolkien aufweist.

 

Auf knapp 600 Seiten führt Greiff ein in seine Welt und die große Aufgabe und lässt sich in aller Breite durchaus Zeit mit der Entfaltung seiner Geschichte und seiner Personen. Alte Sagen, die jüngere Geschichte zwischen den Völkern und Gruppen im Land, langsam erst bekannt werdende Feindschaften, all dies führt Greiff im Großen und Ganzen durchaus nicht langweilig aus und vermeidet es, zum Glück, zu sehr und zu rasch zwischen den Perspektiven zu wechseln. Angenehm für den Leser ist es, die einzelnen Fäden der Geschichte zunächst im Zusammenhang aufnehmen zu können (ohne ständig Personen und Schauplätze wechselln zu müssen), sich mit der Sprache im Buch vertraut zu machen (ein Anhang hilft durchaus zum besseren Verständnis) und auf der Karte im Buch sich einen Begriff der Regionen und Wege zu machen.

 

Zwar deutet sich bereits im Prolog und dann immer wieder wie beiläufig im Hintergrund die zunehmende Gefahr durch das versiegende Wasser an, doch erst nach einer guten Weile nimmt dieser Hauptteil der Geschichte langsam an Fahrt auf. Durch die „Undae“, die „Frauen des Wassers“, die sich aufmachen, die „Quellen wieder zum sprudeln zu bringen“, mit jener handvoll Aufrechter, die bereit sind, zur Rettung des Wassers und natürlich auch aus eigenen Motiven heraus aufzubrechen. Babu, der Falkner, geflohen aus der Heimat und mit Recht auf Rache für den Mord an seinem Vater sinnend und drei Edelmänner, Offiziere des Volkes der Welsen, deren Kultur im letzten großen Krieg fast völlig zerstört wurde.

 

Aufgrund der Breite und der vielen kleinen und großen Informationen und Hintergründe bedarf es eines durchaus konzentrierten Einlesens, bevor sich der Leser in der Welt des Romans zurechtfindet. Längen bleiben, trotz des flüssigen Erzählstils, nicht aus. Einfach Überschlagen oder Überlesen kann man jene elegischen Rückblicke und Nebenstränge aber auch nicht, denn man weiß nie im Voraus, welche Informationen für den weiteren Gang der Geschichte doch Bedeutung haben werden.

 

Alles in allem eine fantasiereiche, in sich logisch und geschlossene Welt, die E.L.Greiff entfaltet um seine Kernthema der niedergehenden Umwelt herum. Abenteuerlich und mit ausgefeilten und breit geschilderten Figuren, mit Intrigen, Verrat, Rache und einer gemeinsamen Aufgabe, welche die zunächst wenig harmonierende Gruppe zusammenführt.  Das Buch ist für alle Freunde epischer Fantasy-Historienromane durchaus als Gewinn zu sehen, auch wenn bei der Lektüre Längen zu überstehen sind.

 

M.Lehmann-Pape 2012