Piper 2015
Piper 2015

Hugh Howey – Exit

 

Abschluss der „Silo-Trilogie“

 

Es ist schon eine kreative, besondere Welt, die Howey mit seinen „Silos“ (wie man inzwischen weiß gibt es mehr als ein Silo) geschaffen hat.

 

Eine Welt, in der es um Macht und Kontrolle geht, in der ganze „Welten“ (denn für die Bewohner eines Silos ist dieser „Ihre Welt“) auf Knopfdruck „ausgeschaltet“ werden können. Eine Macht und Kontrolle, so wird sich in diesem abschließenden Band herausstellen, die  noch viel perfider angelegt ist und viel weiter geht, was die Verseuchung der „eigentlichen Welt“ um die Silos herum angeht, als man dachte.

 

Wobei das „Argon“, jenes Gas, dass die Luftschleusen sauber halten soll von der Gefahr der „Nanos“ da draußen, noch seine ganz eigene Bedeutung finden wird. Wie auch die breiten Betonringe, die in den Silos zwischen die einzelnen Bereiche eingelassen sind.

 

Während Juliette in Silo 18 inzwischen als Bürgermeisterin agiert, sich mehr und mehr des „Systems“ zusammenreimt und dringend eine Verbindung zu Silo 17 herstellen will, in dem Solo und die Kinder über so lange Zeit alleine in einem zerstörten Silo überlebte haben, sind Donald (der Architekt der Silos) und seine Schwester Charlotte in Silo 1 (dem Ursprung, dem Ort der „Täter“, die durch Gefrierschlaf die Jahrhunderte an sich vorbeistreichen haben lassen) fieberhaft dabei, einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden. Eine Möglichkeit, die Silos hinter sich zu lassen angesichts immer dramatischer werdender Enthüllungen über den eigentlichen Plan jener, welche die Silos mit ihrer „Saat“ einst „befüllt“ haben.

 

Misstrauen, der Zusammenbruch einer strikt tyrannisch geführten Gesellschaft, der Kampf um das nackte Überleben und die Sehnsucht nach Freiheit, das Versagen (aber auch die Chance) der Religion, der Verlust von geliebten Menschen und das Licht am Ende des Tunnels, das sind die beherrschenden Themen dieses abschließenden Bandes.

 

„Diese Bücher sind aufbewahrt worden, damit die Erben dieser Welt…Bescheid wissen“.

 

Wer aber sind diese „Erben“? Wie werden sie ausgewählt? Und wie soll das Ende eigentlich aussehen? War ein Neuanfang überhaupt geplant? In der Welt da draußen, die von zerstörerischen „Nanos“ umfassend bevölkert zu sein scheint?

 

„Erwartest Du Stress?“.

„Ja!“.

 

Und das nicht zu knapp.

 

Allerdings, ein wenig an Zauber hat diese kreative Welt doch auf dem Weg durch die vielen Seiten der Geschichte eingebüßt, das rasante Tempo der ersten beiden Bände geht in diesem dritten Band ein stückweit verloren, auch wenn Howey die Zerstörung bedrohend weiter fortschreiten lässt.

 

Gerade im Blick auf die Ereignisse um Donald und Charlotte herum in Silo 1 (mitsamt des merkwürdigen und ohne weitere Erklärung abrupt endenden „Auftritts“ des alten Thurmann, dem „Hirten“ all des Geschehens) ziehen sich die Ereignisse doch in Teilen auch künstlich verlängert wirkend dahin. Wie das Ende des Buches (und damit das Finale der ganzen Reihe) nichts besonders neues im Vergleich zu anderen Endzeitthrillern zu bieten hat und in Teilen auch ein stückweit uninspiriert wirkt.

 

Dennoch, die Auflehnung der Silo-Bewohner, die Betrachtung dessen, was Menschen zum Handeln, zum Verlassen ihrer „Komfort-Zonen“ antreibt, die zusammenbrechende Welt in den als Schutzzonen gedachten Röhren in der Erde, die klugen Reflexionen dessen, was Menschen zusammenhalten kann und was dennoch im alltäglichen Leben zu stärker werdender Reibung und zum Kampf gegeneinander führt, sind ebenso die Lektüre dieses Buches wert, wie die losen Fäden der gesamten Geschichte zusammenzuführen und zum Ende zu bringen.


M.Lehmann-Pape 2015