Piper 2014
Piper 2014

Hugh Howey – Silo

 

Dichte Atmosphäre

 

In einem ganz hervorragenden sprachlichen Fluss, der den Lesser von der ersten Seite an emotional in das Geschehen mit hineinnimmt, spinnt Hugh Howey einen Endzeitthriller der besonderen Art.

 

In einem knapp 150 Stockwerke umfassenden Betonsilo unterhalb der Erde, von dem nur die oberste Spitze mit Antennen und Außenkameras aus der Erde ragt, leben Menschen seit Generationen in klar umgrenzter Lebensweise.

 

Notwendige Rohstoffe werden kilometerweit unterhalb des Silos abgebaut und gefördert, Düngung und Lebensmittelherstellung sind gesichert.

 

Nur der Blick nach außen, auf die zerstörte, dahinvegetierende Erdoberfläche wird im Lauf der Zeit immer wieder einmal schlechter durch Schmutzablagerungen an den Kameras.

 

Gut, dass es „Die Reinigung“ gibt.

Die Strafe für Kapitalverbrechen ist die Verbannung aus dem Silo, damit der sichere Tod. Bewaffnet mit Reinigungslappen verlässt der jeweils Verurteilte die Schleuse in einem Schutzanzug, der gerade genug Zeit da draußen lässt, die Kameras zu reinigen.


Warum aber reinigen die Verbannten tatsächlich die Kameras? Was passiert beim Gang durch die Schleuse, dass die zum Tode verurteilten sogar mit Feuereifer für einen „klaren Blick“ sorgen wollen?

 

Scheriff Holsten wird dies erleben, er hat den Weg in den Tod selbst gewählt. Mit Gründen.

Zu seiner Nachfolgerin bestimmt die Bürgermeisterin des Silos eine junge Frau, die keiner der anderen wichtigen Männer wirklich im Blick hatten.

 

Juliette Nichols von „ganz unten“, aus der untersten Maschinenebene des Silos.

 

„Wenn sie Jules den Job geben, seien Sie bloß vorsichtig. Weil sie den Job dann macht. Auch wenn Sie das eigentlich gar nicht wollen“.

 

Und es gibt Kräfte, die das auf keinen Fall wollen.

 Kräfte in der IT Abteilung des Silos, die um jeden Preis zu verhindern gedenken, dass jemand seine Nase zu sehr in die wahren Strukturen des Silos, in die Hintergründe der zerstörten Welt da draußen steckt und die vor allem eines nicht wollen: Das jemand zu sehr in der Außenwelt Zeit verbringt.

 

Denn nicht nur innerhalb des Silos gibt es verborgene Strukturen.

An jenen Orten, an denen „die Saat“ für „schlechte Zeiten aufbewahrt“ wird.

 

Sehr griffig und lebensecht führt Howey in seine Figuren ein, wobei es ihm gelingt, die inneren Befindlichkeiten der verschiedenen Personen dem Leser intensiv  zu vermitteln.

Fast ist es so, dass man selber jede der unendlichen Stufen spürt, welche Die Bürgermeisterin zum „Bewerbungsgespräch“ nach „unten“ und dann wieder „nach oben“ hinter sich zu bringen hat.

 

 

Verzweiflung, Trauer, Kraft, Lethargie, sich entwickelnde Lieben, all das begleitet den an sich bereits überzeugend dargestellten Plot des Endzeit-Thrillers, der bestens unterhält.

 

M.Lehmann-Pape 2014