Piper 2015
Piper 2015

Jan Aalbach – Abyssos

 

Fantasy in bekanntem Ablauf

 

In sehr klarer, eher einfacher Sprache, die Teils ihre Protagonisten etwas naiv wirken lässt (vor allem Pit Zuckmayer scheint den „Verlockungen des Weibes“ keinen rechten Umgang zu finden), dafür aber durchaus mit Tempo erzählt Aalbach seine neue Geschichte über das „verborgene Volk unter den Menschen“, den Domen.

 

In der Bibel als „Riesen“ erwähnt stechen sie auch im Berliner Alltag durch ihre schiere Körpergröße hervor. Sind aber in Gefahr, als Volk zu erlöschen.

 

Sobald sie keinen „Trunk“ mehr zu sich nehmen, würden sie rapide und umgehend Altern, zu Staub und Asche verfallen.

 

Der Notarzt Pit kann sich da zu Beginn der Geschichte umgehend selbst ein Bild von machen. Notfall in der U-Bahn. Beide Beine eines schwarzen, riesigen Mannes abgetrennt. Wobei dieser ihm dann unter den Händen wegstirbt, nicht ohne ihn mit seinem Fingernagel im Gesicht zu verletzen.

 

Wo aber sind die abgetrennten Beine? Außer einem Haufen Sand findet sich nichts auf den Gleisen. Warum ist da so wenig Blut? Und wer ist diese schwarze Polizistin, hinter der Naomi Campbells Schönheit schier verblasst?

 

Fragen über Fragen, die Pit (der sich vor Kurzem noch aus Trauer um den Tod von Frau und Kind das Leben nehmen wollte) keine Ruhe lassen, die ihn vor allem aber umgehend in Gefahr bringen. Denn der „Ahiman“ (geistlicher und weltlicher Führer)  der Domen ist auf der Suche nach einer bestimmten „Kraft des Blutes“, dem „Prometheus“ und will sich auf dieser Suche nach der Rettung seines Volkes vor dem Aussterben  nicht hindern lassen.

 

Alle, die auch nur am Rande mit diesen Merkwürdigkeiten des „Geheimen Volkes“ in Kontakt geraten, sollen sterben. Und so wird auch Pit erschossen. Was aber noch lange nicht das Ende seiner Geschichte ist. Wenn man weiß, dass es für Wesen mit „Domenblut“ den „kleinen Tod“ neben dem „großen Tod“ gibt.

 

Eine Jagd entsteht, in der Freund und Feind nicht immer klar zu unterschieden sein werden, ind er altbekannte Freunde Pits sich als etwas ganz anderes herausstellen werden, als er bisher dachte und in der er selbst seine eigenen Kräfte und seine Rolle in all dem noch entdecken werden muss.

 

Durchaus mit Tempo, aber auch mit einigen Stereotypen angereichert (die Beschreibung seiner Protagonisten durch Vergleiche mit öffentlich bekannten Personen wie Omar Sharif und Naomi Campbell u.a., die etwas zu undifferenziert geratene Liebesgeschichte, die Vorhersehbarkeit des „roten Spannungsfadens“) erzählt Aalbach mit frischen und lockerem Ton eine nicht unbedingt neue „Konstellation“ zwischen Gut, Böse und der (Teil-) Rettung der Welt mitsamt der Entpuppung eines eher unfertigen, trunksüchtigen und unglücklichen Mannes, der sich rasch zur „Hoffnung“ eines magischen geheimen Volkes entfalten wird.

 

Ein durchaus unterhaltsamer, flüssig zu lesender Berliner-Fantasy-Thriller (mit einigem an „Mundart“), dem es ein wenig an Komplexität in den Personen und den Ereignissen mangelt.


M.Lehmann-Pape 2015