Heyne 2012
Heyne 2012

Kai Meyer – Die Gebannte

 

Aura Institoris und das Geheimnis der ewigen Jugend

 

Einige Jahre hat Kai Meyer darauf warten lassen, bis er nun seinen Erzählstrang um die junge Alchimistin Aura Institoris weiterspinnt. Die in den beiden Vorgängerbüchern einiges an Abenteuern hatte bestehen müssen, die dort ihre große Liebe, Gillian, gefunden hat, die mit der harten Wahrheit um Verbrechen ihres nun toten Vaters konfrontiert worden war.

 

Wiederum nun wird Prag, im Kosmos des Kai Meyer ein Dreh- und Angelpunkt der Alchemie, zumindest in den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg, in welchen das Buch angesiedelt ist. Es geht, und dieses Sujet ist ja nun wahrlich nicht neu, um „das Geheimnis der ewige Jugend“. Diesem aber kommt Aura eher zufällig auf die Spur, eigentlich nämlich reist sie in die Stadt auf den Spuren einer Verschwörung, vor allem um Gillian zu befreien, der gefangen gehalten wird.

 

In Prag selbst gerät sie umgehend selber in Gefahr. Verschiedene Interessengruppen tummeln sich vor Ort, junge Mädchen verschwinden, irgendetwas Großes geht vor. Doch bevor Aura in der Lage ist, das Geheimnis vollständig zu lüften, gerät sie selbst in einen Bann. Ein Bann, dem auch Gillian, der zu Hilfe eilt, zunächst hilflos gegenüber steht. Und alle machen sich nun, aus den verschiedensten Motiven heraus, die einen aus Gier, die andren aus Liebe, auf die Suche nach dem Geheimnis der ewigen Jugend.

 

Die Geschichte selber, auch in manchen Drehungen und Wendungen, wirkt durchaus altbekannt. Liebe, die nicht zum Ziel kommt, bevor eine große Aufgabe erfüllt wird, abenteuerliche (und in Teilen durchaus spannende) Wendungen und die Suche nach dem Geheimnis selbst, das alles war bereits Stoff für viele ähnliche (Abenteuer-) Geschichten. Auch die Sprache Meyers hebt sich nicht sonderlich heraus aus ähnlichen Werken. Vom „heulenden Nachtwind“ über „Küsse, die im Dunklen anders schmecken als bei Tag“ bis zu „schleichenden Männern, sichtlich bedacht darauf, nicht entdeckt zu werden“ nutzt Meyer eine einfache und gängige Bildsprache, um die Emotionen seiner Figuren zu transportieren. Dies aber gelingt im gesamten sehr gut. Gerade die Darstellung der Emotionalität seiner Figuren ist eine seiner großen Stärken, ebenso, wie seine Figuren durchweg nicht eindimensional angelegt sind, sondern durchaus zu überraschenden Wendungen fähig sind und sich im Lauf der Geschichte weiter entwickeln. Das Meyer auch Gewalt durchaus mit einfließen lässt und der ein oder andere zerschlagene Kopf unverbrämt im Raume steht, tu ein übriges hinzu, um einen gewissen Realismus in diese logisch aufgebaute Geschichte hinein zu bringen.

 

Trotz so mancher Plattitüden und altbekannter Spannungskurve solcher Geschichten liest sich der dritte Teil der Alchimistinnen Reihe durchaus gut, bietet in der Suche Auras nach ihrem Sohn, von dem sie sich entfremdet hat, eine tragfähige Nebenhandlung und sorgt so für anregende, in Teilen durchaus Spannende Unterhaltung. Meyer erfindet das Genre der Verbindung zwischen Mystery und moderner Welt ebenso wenig neu, wie die „Suche nach der ewigen Jugend“  schon vielfach als roter Faden ähnlicher Romane herhalten musste. In sich aber hebt sich das Buch in seiner Emotionalität, in seinen Figuren und seiner flüssigen Sprache doch im Positiven ab von der großen Masse an Mystery und Fantasy Literatur.

 

M.Lehmann-Pape 2012