cbj 2013
cbj 2013

Kathy Reichs, Brendan Reichs – Virals – Jeder Tote hütet ein Geheimnis

 

Virals zum Dritten

 

Vorweg bemerkt: Wer aus dem Untertitel zu schließen meint, dass in diesem dritten Teil der Jugend-Thriller Reihe der Erfinderin der Gerichtsmedizinerin Temperance Brennen sich nun der Fokus auch in der „Nachfolgegeneration“ auf die Gerichtsmedizin verlagern würde, indem forensisch „Toten Geheimnisse entlockt werden“, der wird sich getäuscht sehen.

Eine durchaus intelligente Schnitzeljagd, gepaart mit treffenden  Einblicken in die Probleme und  den Alltag des Aufwachsens Jugendlicher ist es, die im Mittelpunkt dieses Romans steht.

 

„Geocache“ ist zunächst das auslösende Moment. Einer der „Virals“, findet im Verlauf dieses GPS-Spieles einen Gegenstand, der in eine gefahrvolle Rätseljagd führen wird. „Virals“, das sind vier Freunde, die durch ein missglücktes Gen-Experiment mit Hunde-DNA in Verbindung kamen und entsprechende Veränderungen im Körper erlebten. Geschärfte Sinne und ein fast telepathisches „Rudelverständnis“ verbindet die vier seitdem.

 

Kräfte, die hier und da auch durchaus „teenagerhaft“ gegen zickige Mitschülerinnen eingesetzt werden. Gerade von Tory Brennen, die an der Spitze der vier Freunde steht, noch einen Tick mehr an besonderen Kräften erlangt hat und sich nach dem Tod ihrer Mutter immer noch erst im neuen Leben an der Seite ihres Vaters zurechtfinden muss.

 

Der erste Fund besteht aus einer merkwürdigen, codierten Botschaft. Rasch wird klar, dass hier jemand zu einem „Spiel“ einlädt, das mit dem Leben Vieler spielt. Eine Bombe ist gut versteckt und nur, wenn die vier „mitspielen“, wird diese nicht explodieren. Sollten sie das Spiel verweigern oder scheitern, wird das tödliche Folgen für viele Menschen in Charleston, er Heimat der Vier haben. So lassen sich die vier auf das immer gefährlichere und auch für sie lebensbedrohliche Spiel ein. Ein Spiel, das, wie klar werden wird, sehr gezielt auf die vier „Virals“ hin konzipiert wurde.

 

Mithin eine im Thriller-Genre „klassische Schnitzeljagd“ ist es, welche Mutter und Sohn als Autoren zum Ausgangspunkt nehmen und mit zunehmender Spannung in einfacher Sprache und klaren Sätzen erzählen, ohne das Tempo durch „Nebenstränge“ zu verschleppen.

In Teilen vielleicht nicht ganz älteren Jugendlichen angemessen. „Superkräfte“ z.B. werden die genetischen Veränderungen durchweg genannt. Was einerseits nicht wirklich stimmt, sieht man sich „echte Superhelden“ an und vom Ausdruck her ist nicht nur hier, sondern auch an manch anderen Stellen des Buches in der sprachlichen Gestaltung doch eher der 14jährige Leser angesprochen als der ältere Jugendliche, denen allerdings die Spannung und die Gefahrenmomente dann wieder eher entsprechen würden.

 

Dass „die Guten “ auf den ersten Blick erkennbar gut ist und „die Zwielichtigen“ erkennbar zwielichtig sind, ist dabei ebenso Teil der Gestaltung des Buches, wie die Rätsel, die durchaus auch für den jugendlichen Leser lösbar wären (für die „Dekodierung der ersten Botschaft benötigt es wahrlich keine „Superkräfte“, wie es der Klappentext suggeriert).

 

Neben dieser manches Mal zu simplen Darstellung von Abläufen und Personen sind  allerdings die Schilderung des Alltages, der ersten Verliebtheiten mit all ihren Peinlichkeiten und Unsicherheiten im Gefühlserleben, mit der Auseinandersetzung einer neuen Lebensgefährtin des Vaters, dem Erleben eines „Ausgesondertseins“ durch das „Anderssein“ und die ambivalenten, schwankenden inneren Haltungen (wie beim „Debütantinnenball), dem Umgang mit „den Erwachsenen“ sehr gut getroffen und bieten eine hohe Identifikationsmöglichkeit des jugendlichen Lesers mit den Personen des Romans.

 

Eine gut getroffene Atmosphäre, eine altersgerechte Darstellung der Personen im Buch in einer durchaus spannenden und angemessen gefahrvollen Geschichte bieten so, trotz der hier und da simplen Sprache und ebenso teils kindlicher Ausdrucksweise, eine anregende und zu empfehlende Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2013