Bloomsbury berlin 2011
Bloomsbury berlin 2011

Katja Henkel – Rosa Rabenstein

 

Verzauberte Göre

 

Rosa ist 13 Jahre alt, Berlinerin, 154 cm groß, mit widerspenstigem roten Haar versehen, kommt bald in die 8. Klasse, lebt in einer Patchworkfamilie (ihren leiblichen Vater kennt sie nicht) und Rosa ist Schauspielerin. Sagt sie. Eine Nebenrolle in einem (Meyer lässt grüßen) Vampirfilm und hat sich dabei deutlich in den smarten Hauptdarsteller verliebt.

 

Eine wichtige Sache, denn nun versteht der Leser die genervte Laune Rosas zu Beginn des Buches, wird sie doch in den Ferien von ihrer Mutter und ihrem Stiefvater gemeinsam mit ihrem kleineren Bruder Heinrich (von ihr exklusiv „Heini“ genannt) in ein ruhig gelegenes Ferienhaus nach Irrland „verschleppt“. Nichts ist es da mit Internet, Fernsehen oder anderen technischen Feinheiten und, vor allem, es herrscht sms und Handyverbot ob der hohen Kosten aus dem Ausland. Und das, wo Rosa ungeduldig und fiebernd auf eine Nachricht ihres angehimmelten Filmstars wartet.

 

Vielleicht bringt ja der Besuch in einem nahegelegenen Geistermuseum ein wenig Abwechslung, auch wenn Rosa eigentlich nur in ihrem bett liegen bleiben möchte, um sich weiter zu bedauern.

 

Und es wartet eine Abwechslung, die sich gewaschen hat. Denn in einem kleinen Nebenraum, dessen Betreten für Menschen durch Schilder absolut eindeutig verboten ist (aber welche Berliner Göre lässt sich schon was verbieten!) findet Rosa eine Elfe. Eine schusselige Elfe. Eine mit wenig Orientierungssinn. Und da Elfen Wünsche wahr werden lassen können, hätte Rosa vielleicht besser den mund gehalten, statt sich in Rage zu reden und einen Tausch der beiden vorzuschlagen. Umgehend steht sie sich selbst gegenüber, nun im Körper der Elfe und die abenteuerlichen Ereignisse nehmen ihren Lauf.

 

Für Rosa, auf die ein Abenteuer im Elfenvolk mit ungewissem Ausgang wartet, in dem ein Elfensee eine tragende Rolle spielen wird wartet und für die Elfe Cosma, die nun an Rosas statt Teil der Familie ist.

 

Körpertausch ist keine allzu neue Idee, die Katja Henkel in ihrem Buch (in erster Linie sicher an Mädchen zwischen 9-14 Jahre gerichtet) verarbeitet, doch die frische Idee des Eindringens in die Elfenwelt mit ihrer Eigenart und ihrer Lebensweisheit, vor allem die lebendig gezeichnete Rosa, die auf keinen Fall auf den Mund gefallen ist, bei den Elfen aber auch Verantwortung, und Gemeinschaft nun kennen lernen wird stellen sich als überaus tragfähig für die Geschichte heraus.

 

Mittels der bildhaft, lebendig beschreibenden Sprache der Autorin entsteht ein munterer Tanz der abenteuerlichen Ereignisse, der eine geschlossene und jederzeit passende Geschichte erzählt und ein Lesevergnügen auch über die engere Zielgruppe hinaus in den Raum zu setzen versteht. Luftig und leicht, die Lebensfragen der Mädchen entsprechenden Alters immer wieder aufnehmend, legt Katja Henkel einen in sich stimmigen Jugendroman vor. Kritisch sie dennoch die Gestaltung des Buches selbst angemerkt. Das stilisierte Handy auf dem Cover wirkt auf den ersten Blick wie das Deckblatt eines Bilderbuches für ABC Schüler und Schülerinnen. Dies wird dem Inhalt nicht gerecht. Ansonsten für die Gruppe der 9-14jährigen durchaus zu empfehlen.

 

M.Lehmann-Pape 2011