dtv 2014
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Libba Bray – The Diviners

 

Kämpfer gegen das Böse

 

Es sind die 20er Jahre in Amerika. Party, Party, Party. Alle jungen Mädchen möchten „Flappers“ sein, die Gesellschaft trifft sich an allen Orten.

 

Aber auch das Böse ist nicht weit im brodelnden New York. An einer Ecke, in einem verfallenen Haus, an einem alten Ofen. Das Böse, das unachtsam gerufen wurde, weil ein junges Mädchen den guten Rat einer älteren Frau nicht beachtet hat und nach dem „Spiel“ mit einem Quijabrett den gerufenen Geist nicht ordentlich wieder verabschiedet hat.

 

Ein Strang der Geschichte, der, zumindest über weite Strecken in den ersten zwei Dritteln des Buches, allerdings nur den kurzen Sequenzen zwischen der intensiven Beschäftigung mit den Protagonisten zum Tragen kommt und ein wenig an Edgar Allen Poe erinnert.

 

Vordergründig aber lernt der Leser in diesem alten, kaum mehr besuchten New Yorker Museum, die Personen der Geschichte kennen. In einer solchen Ausführlichkeit, das wohl bereits Folgebände im Raume stehen und für diese eine gute Kenntnis der einzelnen „Diviner“ und ihres Umfeld hier zugrunde gelegt werden soll.

 

Evie O´Neill, jung, frech und mit einer ganz besonderen Gabe ausgestattet. Sie kann anhand der Berührung von Gegenständen aus dem Besitz anderer Personen quasi „in diese hineinschauen“,  weiß dann (fast) alles über diese Personen. Was sie umgehend in Schwierigkeiten bringt. Aufgrund derer sie in New York anlangt, von ihren Eltern zu ihrem Onkel geschickt (dem Betreiber des alten Museums okkulter Gegenstände), für eine gewisse Weile zunächst, damit im heimischen Umfeld wieder Ruhe einkehren kann.

 

Schon am Bahnhof lernt sie Sam kennen. Ein geschickter Taschendieb, dessen Berührung  niemand spürt. Und ebenso von Beginn an steht eine gewisse Reibung zwischen beiden im Raum (die bekanntlich ja Wärme erzeugt). Und da Sam Evie zum Museum folgen wird, entsteht der Beginn einer anfangs stockenden, im weiteren Verlauf der Geschichte aber enger werdenden Beziehung zwischen den beiden jungen Menschen.

 

Der Onkel als Fachmann für Okkultes, sein Assistent Jericho (sehr ernst angelegt) und Evies lebenslustige Freundin Mabel komplettieren die muntere Runde von Teenagern und dem älteren Mann.

 

Während an einer anderen Ecke in New York das dämonisch Böse langsam Gestalt annimmt in dieser Seite der Welt.

 

Screwball, Charme, Teenagerleben, Partylust gepaart mit (auf anderen Seiten) Armut und dem täglichen Kampf ums Überleben im New York der damaligen Zeit bilden nun die eine, sehr weit greifende Seite dieses Jugendromans, während ganz langsam zunächst erst die „dunkle Seite“ und der erste „Auftrag“ für die anfangs sich erst findende Gruppe der „Diviner“ („Wahrsager“) sich mit in das Bewusstsein des Lesers hebt.

 

Hier trifft Libba Bay durchaus atmosphärisch den Puls der damaligen Zeit, das beginnende Selbstbewusstsein der jungen Frauen, die Partystimmung gerade in New York, gepaart mit dem ganz alltäglichen Leben in der Stadt, gerade auch außerhalb des Glitzers und Glimmers.

 

Andererseits nimmt dieser Teil der Geschichte immens viel Platz im  Buch ein und führt den Leser anhand der vielfachen Perspektivwechsel (je für die einzelnen tragenden Personen im Buch) allzu breit in deren Lebensgeschichte und die beginnenden Beziehungen hinein.

 

Hier hätte dem Lesefluss und dem Tempo des Buches eine deutliche Straffung gut zu Gesichte gestanden, diesen Teil der Geschichte erzählt Bray einfach zu umfangreich. Vor allem, weil andererseits der Mystery Anteil über lange Zeit hinweg deutlich zu kurz kommt.

 

 

Dennoch bietet Bray eine gute Idee (mit später spannend gestalteten Szenen) und durchaus differenziert ausgeleuchtete, lebendig und realistisch wirkende Personen, die zum Ende dieser Geschichte hin untereinander und in ihren gemeinsamen Ermittlungen deutlich an Fahrt aufnehmen bis zum gut gestalteten Finale.

 

M.Lehmann-Pape 2014