Fabuloso 2011
Fabuloso 2011

Manuela Tietsch – Die flüsternde Mauer

 

Romantischer Fantasy-Liebesreigen, der langsam in Fahrt kommt

 

Was alles passieren kann, wenn eine junge Frau in der Gegenwart auf einen verzauberten (und zeitgereisten), attraktiven Ritter trifft, davon erzählt die Geschichte der flüsternden Mauer. Eine Mauer, die für Ritter Askwin ob seiner Auseinandersetzung mit einer Hexe zu einer Art Gefängnis wird, denn die Hexe zaubert ihn in diese Mauer hinein.

 

Lange ist er Gefangener der Mauer, bis eben Alanis ihn in unseren Tagen durch Zufall findet und befreit. Und nicht nur das, im Lauf kurzer Zeit fühlen beide sich einander zugetan.

Hier könnte die Geschichte fast schon Enden, gewürzt vielleicht mit ein wenig Situationskomik a la „Leopold in New York“, doch im Buch setzt Manuela Titsch diese Konstellation nun erst als die eigentliche Grundlage ihrer Liebesgeschichte in einer Fantasy-Welt. Denn keineswegs ist die Hexe besänftigt, taucht im Leben der beiden Liebenden wieder auf, zaubert Arwin wieder in die Mauer (und seine Vergangenheit) zurück und bringt Alanis gleich mit auf den Weg. Verwandelt in ein Hausschwein.

 

So beginnt der Weg der Alanis durch Raum und Zeit und auf tierischen Pfoten, um ihren Arwin endlich endgültig aus den Fängen des Zaubers zu befreien. An ihre Seite tritt zunächst Askwins Bruder, welcher seine Hilfe anbietet.

An einem geheimen Ort bringt er Alanis in das „Reich der geflügelten Riesen“, eine Wunderwelt voller magischer Geschöpfe. So ausgerüstet macht sich Alanis nun auf, die Wand zu zerstören, in der Askwin festgehalten wird.

 

Doch dies ist noch lange nicht das Ende der Geschichte, denn zum einen sitzt Alanis selbst immer noch im Körper eines Schweines fest und zum anderen ist die Hexe zwar durch den Mut und den Einsatz der jungen Frau zunächst überrumpelt worden, aber noch lange nicht endgültig besiegt. Ein vielfaches Hin und Her, Gefahren, Pläne und, vor allem, Mut und Treue zueinander wird es brauchen, bis sich Alanis und Askwin endlich ungefährdet wieder einander als Menschen nähern können.

 

In der Form, auch der sprachlichen, könnte das Buch zunächst durchaus als Jugendbuch bezeichnet werden für das engere gefasste Alter von 11-14 jährigen Teenagern. Die mondbeschienene, gezeichnete Burg des Einbandes, der durchgängig in brauner Schriftfarbe gesetzte Text, durchaus auch weite Strecken entspannt - harmlos geschilderter Szenen (Liebesszenen, Romantik, auch gefahrvolle Szenen sind durchaus noch ohne tieferer Bedrängung lesbar) gehen ebenfalls in diese Richtung, vor allem aber natürlich die starken Fantasyanteile des Buches. Sowohl die  Verwandlung in ein Schwein wie auch das Reich der geflügelten Riesen mit seinen Einhörnern und dem Ungeheuer von Loch Ness sind doch noch stark in einer Vorstellungswelt verhaftet, die eher Jugendliche anzusprechen vermag. Als eine Geschichte von erster Liebe, sich zartem Annähern und im Angesicht drohender, fast überstarker Gefahren, denen die Protagonisten sich auf je ihre Weise zu erwehren haben.

 

Durchaus komplex legt Manuela Tietsch ihre Geschichte an, benötigt zu Anfang allerdings doch eine gewisse Zeit, um in den Fluss des Geschehens hineinzukommen, bringt dann aber etwa nach dem ersten Drittel des Buches das Geschehen in einen stetigen Fluss, der sich gut lesen lässt (auch wenn der Versuch, gerade in der mittelalterlichen Zeitschiene die Dialoge mit vielen „Y“ und Satzumstellungen zu versehen den Lesefluss teils eher hindert und das Ziel, eine möglichst reale Atmosphäre der Zeit in den Raum zu setzten nicht wirklich befördert).

Alles in allem bietet das Buch eine „klassische“ Liebesgeschichte ungebrochener Zuneigung und der Bereitschaft, alles, auch Gefahren, auf sich zu nehmen für den Geliebten. Angesiedelt in einer Fantasy-Welt der Magie und Zauberei hinter dem Alltagsgesicht der Gegenwart und der Zeit des Mittelalters, aus welcher der Ritter stammt.

 

In äußerer Form, im Sprachstil und in wesentlichen Elementen der Geschichte ist das Buch eher dem Jugendbuchbereich zuzuordnen. Durchaus aber anregend und flüssig zu lesen und mit vorhandenem Unterhaltungswert.

 

M.Lehmann-Pape 2011