Droemer  2015
Droemer 2015

Markus Heitz – Exkarnation - Seelensterben

 

Spannender Abschluss (vorerst)

 

Vom Umfang her (und ebenso von der farbenfroh und umfassend kreierten Suche eines „Weges nach Hause“ in vielfacher Hinsicht) durchaus episches Ausmaß hat der große Bogen, den Markus Heitz um die Vielzahl seiner Protagonisten in den letzten Jahren mit „Ritus“, „Blutportale“, „Judastöchter“, „Qneiros“, „Totenblick“ und nun „Exkarnation“ geschlagen hat.

 

Von „Seelenwandlern“ und „Todschläfern“, von „Wandelwesen“ und „Vampiren“, von „Wandelwesenjägern“, alten Dämonen / Geistwesen bis hin zu einzelnen Forschern und einer ganzen Vereinigung, „Libra“, die den Dingen auf den Grund gehen wollten oder zumindest ein Gelichgewicht zwischen „Gut und Böse“ herzustellen gedachten.

 

Und auch dieser zunächst abschließende Roman des „großen Bogens“ bringt vielfache Protagonisten in ihren ganz eigenen Zielen und Suchen in einem in sich verästelten Netz zusammen.

 

Auch wenn Eric von Kastell und Elena, zwei wichtige Personen der Gesamtereignisse in diesem Band nur am Rande, zum Ende hin aktiv eingreifen, mit Ares, dem Rocker, Konstantin, dem Bestatter und „Todschläfer“, Lene, der neuen Inkarnation der alten Seelenwanderin, mit Sia, der Judastochter und „Wahlmutter“ Elenas, die alles auf sich nimmt, das Mädchen zu finden, mit dem alten Geist in eleganter, männlicher Gestalt, der zusammen mit seinem Verbündeten unbedingt die Tore zu einer „anderen Welt“ öffnen will, um nach Hause zu kommen und mit „Inverno“,  dem Seelensammler (vermeintlich) ohne Seele, bietet Markus Heitz vielfache Erzähllinien, die den Leser von Beginn an nah und direkt im Geschehen halten.

 

Kämpfe, Rätsel, Bedrohungen säumen deren Wege, der Tod von alten Feinden und neuen Freunden, aussichtslose Situationen in gefrierender Luft oder angesichts der freigelassenen Apokalypse unter Tage bieten eine ebenso kurzweilige Unterhaltung bei der Lektüre, wie das langsame sich Annähern neuer Vertrauter.

 

Und, so klar und einfach Heitz auch im Stil schreibt, eindimensional sind seine Personen dabei keineswegs. Einfache Stereotype finden sich nicht, sondern in jeder der Personen findet der Leser Verständliches, bei aller Härte, mit denen vorgefangen wird. Sei es der dringende Wunsch, dieser merkwürdigen Welt hier zu entkommen, sei es die Suche nach der Ersatztochter, sei es der Versuch, mit seinen eigenen, tödlichen Kräften, den dunklen Seiten, zurande zu kommen, sei es der Versuch von „Libra“, Heilung zu finden. Ohne dunkle Seiten und Schuld ist keine er handelnden Personen und ebenso wenig ohne letztlich verständliche Motive für das jeweilige Handeln.

 

Selbst George Dubois, sicherlich als einer der „Schurken“ angelegt, bietet dem Leser auch andere Seite dar.

 

Auch wenn ein Handlungsort wie „Leipzig“ für „dunkle Gaben“ und vampirisches Treiben immer noch ein wenig ungewohnt erscheint (Heitz legt gerade „Exkarnation“ allerdings sehr international im Lauf der Erzählung an), seine Geschichte funktioniert weiterhin (wie in der Vorgängerbüchern) überzeugend und bietet in seinem Person Abwechslung und Beziehungsgeflechte, die zeigen, das doch alles letztlich miteinander verbunden ist.

 

Das natürlich ein solcher Fantasy Roman auch symbolhaft gedeutet werden kann, dass ein gerütteltes Maß an Gesellschaftskritik und ein ebenso kritischer Blick auf manche menschliche Haltungen hinter den Worten liegen, das lässt Heitz hier und da in einfachen Hauptsätzen durchblicken.

 

So wird sowohl der dringende Wunsch Minamotos, genau diese eine Welt unter den Welten zu verlassen aus seiner Sicht ebenso verständlich, wie jenes „dunkle Haus“ ausrichten lässt, dass man sich nicht mehr näher soll, das es in Ruhe gelassen werden will von dem, was auf dieser Welt aufrecht geht oder kreucht und fleucht.

 

Vor allem aber bietet Heitz temporeiche, spannungsvolle, sprachlich zwar einfach verfasste, in der Kreativität der Figuren und der Handlungsabläufe aber breit dargestellte Unterhaltung in sehr bildreicher und plastischer Sprache.

 

„Herrlich! Triefend vom Rot des Feindes senkte er den Dolch und wischte sich die warme Feuchtigkeit aus den Augen. Er konnte es immer noch, auch wenn ihm in letzter Zeit die Gelegenheit zur Übung gefehlt hatte“.

 

Ebenso, wie Heitz es „immer noch“ kann.

 

Man darf gespannt sein, in welchen Bezügen er in nächster Zukunft sich wieder den überlebenden Personen dieser mystischen Welt zuwenden wird (und ob Konstantin einen neuen Schnitterring mit seinem neuen „Buddy“ finden wird).


M.Lehmann-Pape 2015