Klett-Cotta 2011
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Patrick Rothfuss – Die Furcht des Weisen 1

 

Tag 2

 

Wem es gelingt, auf gut einer Seite Text die „Stille“ in dreifacher Weise zu beschreiben, ohne dass dem Leser langweilig wird und wer in diese gute Seite Text auch dem, der den ersten Teil der Saga um Kvothe nicht gelesen hat, einen Eindruck von Geheimnis und kommenden Ereignissen zu vermitteln, der ist auf jeden Fall in der Lage, aus Worten Bilder zu schaffen.

 

Dies ist eine der großen Qualitäten von Patrick Rothfuss. Seine bildreiche Sprache mit durchaus poetischen Anklängen. Einer, der langsam und gründlich erzählt, ohne dabei weitschweifig zu werden. Der Kleinigkeiten mit aufnimmt, der seinen Personen einen breiten Raum zur Entfaltung gibt und mit Nuancen in der Darstellung selbst Beleuchtungsfeinheiten noch zu nutzen weiß. Zudem, und das ist durchaus erholsam und schön zu lesen, verfolgt Patrick Rothfuss einen Erzählstrang und bleibt eng bei der Perspektive seines Protagonisten Kvothe, die sagenumwobene Gestalt der Heldentaten und Magie.

 

Im Wirtshaus „Zum Wegsteig“ bricht der zweite Tag an. Der Chronist schläft länger, ist dann aber bereit, die Heldentaten des Kvothe weiterhin niederzuschreiben. Kvothe, der in der Gegenwart als tot gilt, dessen Name nur mehr Teil von mündlichen Geschichten ist. Und der doch, lebendig, aber nicht ganz bei sich, könnte man sagen, als Wort das Wirtshaus führt.

 

Nach dieser Einleitung, die ebenfalls bereits einiges von kommenden Ereignissen in sich trägt, setzt Patrick Rothfuss die Geschichte des jungen Kvothe fort, der, 15jährig, als Student sich mit seinen Freunden, seiner Armut, dem notwendigen Beitrag an Studiengebühren, Semesterprüfungen, seiner weiteren musikalischen Vervollkommnung und der Geldverleiherin auseinandersetzen muss, die ihm den Verbleib an der Universität in Imre erst ermöglicht.

 

Nebenbei hat er sich seines Feindes Ambrosius zu erwehren, die ein oder andere überraschende Begegnung zu überstehen, den Meistern der Universität eher aus dem Weg zu gehen und eben zu schauen, wie er alles unter einen Hut bekommt.

 

Etwa ab der Mitte des Buches dann wird sich Kvothes Lebensweg ändern, alle Versuche und Tricks, alles Herbeischaffen von Geld und auch die Unterstützung von Freunden wird nicht mehr ausreichen, seinen Weg als Student fortzusetzen. Es beginnt jener Weg im Leben des jungen Magiers, der seine späteren Heldentaten nach sich ziehen wird und der ihn näher heranbringen wird an die Rache für das Massaker an seiner Familie.

 

Knapp 860 Seiten lang ist dieser mittlere Teil der Geschichte um Kvothe im Rahmen der angedachten Trilogie. Mit hervorragender sprachlicher Qualität versehen, atmosphärisch und im Ablauf der Ereignisse völlig stimmig, so dass deutlich wird, wie Patrick Rothfuss seinen Figuren und den Ereignissen Hand und Fuß und letzten Schliff zu geben versteht.

Im Blick auf diese hohe Qualität nimmt man es gerne in Kauf, dass sich Rothfuss drei Jahre Zeit gelassen hat für diesen zweiten Teil seiner epischen Geschichte und der dritte und abschließende Teil sicherlich auch nicht in Bälde zu erwarten sein wird.

 

Patrick Rothfuss legt einen weiteren literarisch hochwertigen und in sich sowohl atmosphärisch wie auch in der Logik stimmigen Fantasy-Roman der Extraklasse vor, den er in Breite und Tiefe ausführlich und fesselnd erzählt.

 

M.Lehmann-Pape 2011