Piper 2014
Piper 2014

 

Zwischen Musketier und Artus Tafelrunde

 

Eine geographisch nicht zu lokalisierende spätmittelalterlich gestaltete Welt, „Tristia“ (nomen est omen),  bildet den Rahmen dieses neuen Romans von De Castell.

 

Die „Langmäntel“, 144 Männer und Frauen, Berufen von einem später getöteten Königs (von an sich schwacher Gesundheit) sind ausgebildet, das Recht des Königs zu vertreten.

Das in sich zerrissene Land zu einen.

Der grausamen Willkürherrschaft der Herzöge ein höheres Recht gegenüberzustellen.

 

Gescheitert, wie es scheint. Der König von den Herzögen getötete, die „Greatcoats“, allesamt hervorragende Sänger, um die Gesetze auch in Liedform dem einfachen Volk einzuprägen, haben diesem Geschehen tatenlos zugesehen. Sich ergeben für eine einfache Amnestie.

 

Und sind seitdem im gesamten Volk verachtet. „Lumpenmäntel“ ist da noch der harmloseste Spott. In alle Winde zerstreut, zudem noch.

 

Drei dieser „Greatcoats“, Klest, der unbesiegbare Schwertkämpfer, Brasti, der nie fehlende Bogenschütze und Falcio, Herz und Hirn, Erster Kantor der Greatoats, halten noch zusammen.

Denn es gibt eine Mission, die der König seinem Falvia ans Herz gelegt hatte. Eine Mission, so unklar sie auch sein mag, in der Hoffnung liegen könnte für die Zukunft des ganzen Landes.

 

In trocken-ironischem Tonfall untereinander (der sehr an die Verfilmung der drei Musketiere mit Michael York und Oliver Reed erinnert), mit dem ganz besonderen Mantel als Rüstung, mit einer hervorragenden Beherrschung der jeweiligen Waffen und ebenso starkem Selbstbewusstsein schlagen sich die drei durch Tristia.

 

Treffen immer wieder auf die alte Schneiderin des Königs, welche die Mäntel damals hergestellt hatte. Treffen auf Prinzessin, die es eigentlich zu stoppen gälte und treffen, vor allem, immer wieder auf ausweglos erscheinende Situationen, die mit Mühe zunächst bestanden werden. Denn locker und mit Bravour, solche „Helden“ konzipiert De Castell nicht.

 

Lasten der Vergangenheit, innere Brüche, Konflikte auch untereinander, ebenso fragil, wie die Welt, in der sie sich bewegen, wirkten die Beziehungen der Protagonisten. Erschwert noch durch eine schwierige Einschätzbarkeit von Freund und Feind, Gewalt und Intrige.

 

Die Einigung des Reiches, die Wiederherstellung der eigenen Ehre und des Rechtes des Königs, die Suche nach der unklaren Hinterlassenschaft des Königs, hier wirkt das Buch in seinem „Queste-Charakter“ wie die „Tafelrunde“, deren Reste nach dem Tod Artus einen neuen Anfang suchen würden.

 

Flüssig erzählt, mit durchaus spannenden Momenten, plastisch und ausführlich geschilderten Duellen und Kämpfen, in denen De Castell den Leser mitten hinein nimmt und Stoß, Finte und Gegenfinte sorgen für ein temporeiches Lesevergnügen.

 

In das hinein De Vastell geschickt die Vorgeschichte im Lauf der Erzählung mit einfließen lässt und auch die dunklen Seiten und inneren Verletzungen der Protagonisten näher erläutert

Alles in allem eine sehr flüssige, anregende und gut zu lesende Geschichte, deren deutsche Fortsetzung bereits in den Startlöchern steht.

 

M.Lehmann-Pape 2014