Heyne 2014
Heyne 2014

Stephen King – Im Kabinett des Todes

 

Wie gewohnt souverän

 

Immer wieder tut er es. Wendet sich Stephen King neben seinen großen Romanen und epischen „Geschichten der Furcht und des Fürchtens“ auch der „kleinen Gattung“, der Kurzgeschichte zu.

 

Ein Format, das seine eigenen Regeln durchaus hat, dem sich King seit frühester Schriftstellerzeit verbunden fühlt  (immerhin betraf sein erster literarischer Verkauf eine seiner damaligen Kurzgeschichten). In dem sein gewohnter „Roman-Rhythmus“ der oft breiten und langen Einführung in Geschichten, der ebenso oft langen und breiten Einführung in das innere Erleben seiner Protagonisten anders sich darstellt, wesentlich kürzer, was in der Natur der Sache liegt.

 

Und dennoch kommt immer und immer wieder ein „echter King“ heraus, die Essenz dessen, was ihm liegt, was seine Fantasie umtreibt.

 

Wie in der Geschichte des durch einen Schlangenbiss scheintoten Mannes, der, offiziell für tot erklärt, in der Autopsie alles mit wachen Sinnen miterlebt. Sich eben nur mit keiner Faser seines Körper rühren kann.

Wie King da die „Brustöffner-Schere“ in den Händen des Nachwuchspathologen immer näher kommen lässt, das ist schon zu Beginn der Geschichtensammlung intensiv und emotional dicht. Wie gewohnt souverän und den Leser mit hineinnehmend verfasst.

 

Wobei dies in diesem Geschichtenband eben nicht nur auf den bekannten Horrorszenarien, der Furcht, dem Grusel alleine rekurriert, sondern auch ganz einfache, literarische Geschichten, durch Zufälle hier und da auch angeregt, betrifft.

 

So erzählt King aus der Endzeit des „Staatsfeindes Dillinger“ den (auf Fakten beruhenden) „langsamen Tod des Jack Hamilton“, eines Kumpans Dillingers ebenso mitreißend und dicht, wie er sich in seinem eher gewohnten Horror-Genre auszudrücken versteht, ebenso, wie er eine Foltergeschichte in einem schalldichten Keller mit sehr überraschendem Ausgang zu Gehör bringt.

 

Immer mit dem Blick auf das, was „dahinter liegt“, was die Dinge vorantreibt, so sehr sich die Beteiligten auch dagegen zu wehren versuchen und was eben nicht immer gut ausgeht.

 

2001 erschien diese Sammlung erstmals, auch initiiert von dem damaligen großen Erfolg von Kings erster „Internet E-Book“ Erfahrung (diese Geschichte „Achterbahn“ ist ebenfalls im Buch mit aufgenommen) und wird völlig zu Recht nun wieder  neu aufgelegt.

 

 

Denn, wie King sagt, an manchen Tagen geht nichts darüber, in seinem Lieblingssessel zu sitzen und eine Geschichte zu lesen, mit der man in begrenzter Zeit dann auch fertig  werden wird. So diese Geschichten gut geschrieben sind, natürlich. Was für die Erzählungen in diesem Band fast umfassend gilt.

 

M.Lehmann-Pape 2014