Klett-Cotta 2015
Klett-Cotta 2015

Tad Williams – Spät dran am jüngsten Tag

 

Kongeniale Forstsetzung

 

Wer die beiden ersten Bände der Ereignisse um den „Anwaltsengel“ Bobby Dollar (in seinen eigenen Augen leider nicht „Bobby Krösus“) gelesen hat, der wird sich umgehend mit Freude in diesen neuen Band einbinden lassen.

 

Sprachlich, im Stil, in der „schnoddrigen“ Art, dieser ironisch-zynischen Sprache und der weiterhin aktiven Suche nach einer Lösung für die Rettung seiner geliebten Caz (gegen alle mögliche Unbill im Himmel, auf Erden und aus der Hölle) zieht Bobby Dollar, irgendwann dann auch reichlich zerknautscht, seinen unaufhaltsamen Weg im Kampf gegen den reitenden Höllenfürsten Eligor.

 

Gegen den Dollar erst mal so gar nichts hatte, der aber nun mal ihn betrogen hat und dessen Geliebte er in der Hölle gefangen hält.

 

Mittlerweile allerdings dünnen sich die Freunde allerdings aus. Clarence bleibt ein wenig undurchsichtig (wenn auch nicht in sexueller Hinsicht), Sam ist empört über Dollars Verdacht, eine Fürstenschaft des Himmels könnte Dollar Übles wollen (zufällig jener hohe Engel, mit dem Sam eng kooperiert). Und viel mehr an verlässlichen Freunden bleibt da nicht.

 

Oder könnte dieses ukrainische Amzonenpaar, das im Apartment unter ihm wohnt, hilfreich sein? Gegen dieses spinnenartige Wesen, geschickt von einem obskuren „Sonnenrad-Bund“ zumindest haben die beiden starken Frau schon mal ein Mittel.

 

Was aber das Grundproblem nicht löst. Bobby braucht ein Druckmittel. Und das kann zur Zeit nur dieses kleine Horn Eligors sein, das er seinem Verbündetem im Himmel als Faustpfand eines allseitig doppelten Spiels zwischen Himmel und Hölle überlassen hat.

 

Soweit eine gewisse Ausgangslage, die immer wieder durch herzerfrischend cool abgehandelte Episoden von „Seelenretten“, sich mit kleinen Botendämonen herumschlagen oder seiner Informationsquelle, einem „Wereber“ nachspüren, sowie einem merkwürdigen „Guru“ Informationen aus der Nase locken aufgelockert und mit weiteren Puzzlesteinen der Sucher nach einem Weg in und durch die Hölle hindurch gespickt sind (wer mag dieser „Imperator“ sein, der ebenso dringend das Horn in seine Hände bekommen will, wie Bobby?).

 

Fantasievoll, mit einem ironischen Humor versehen , den Zynismus seines Bobby Dollar (und zugleich dessen romantische Seite) voll ausschöpfend schreibt Tad Williams weiter originell, kreativ und furios an der Geschichte um gefallene Engel, hart arbeitende Engel, Neu-Dämonen, Freundschaft, Liebe, Gefahr und Kampf und schlägt den Leser damit durchgehend in einen positiven Bann, der hervorragend unterhält.

 

Und wichtige Dinge werden passieren, denn wie sonst könnte es sein, dass Bobby Dollar zu Beginn des Buches bei einer himmlischen Gerichtsverhandlung einen echten Logenplatz ergattert hat, nämlich den des Angeklagten?

 

Rundweg bester Lesestoff.


M.-Lehmann-Pape 2015