Goldmann 2012
Goldmann 2012

Tahereh Mafi – Ich fürchte mich nicht

 

Romantasy

 

In ihrem Debüt führt Tahereh Mafi den Leser mitten hinein eine Welt der zerstörten Umwelt, der Hungerkatastrophen und der (fast) Hoffnungslosigkeit, aber auch des politischen Machtkampfes. Apokalyptisch sind die Bilder, die Mafi beschreibend in den Raum setzt. Eine Welt, in welcher der größte Teil der Menschheit inzwischen schlichtweg verhungert ist.

 

Eine Welt aber auch, in der die neuen Machthaber des „Reestablishment“ durchaus weiterhin im Überfluss leben. Strom, Nahrung, Fahrzeuge, Soldaten, klimatisierte Häuser, der „neuen Elite“ fehlt es an nichts. Doch noch ist die Welt politisch weder erholt noch geeint von den Katastrophen und noch ist es dem „Reestablishment“ nicht gelungen, alle übrig gebliebenen Bürger einzuschüchtern. Durchaus Widerstand regt sich.

 

Juliette soll die Trumpfkarte der neuen Macht werden. Eine 17jährige mit einer, nicht nur für sie, schrecklichen Gabe. Nimmt sie Hautkontakt zu einem anderen Menschen auf, fließt dessen Lebensenergie unaufhaltsam in Juliette hinein, bis zum Tod des anderen. Ein Kontakt, der in Panik versetzt, der nur gewaltsam wieder aufgelöst werden kann. Eine nicht zu unterschätzende Waffe für Verhöre und Einschüchterungen.

 

Juliette, die seit 264 Tagen in einer Zelle eingesperrt ist, von der sich die Familie losgesagt hat. Und die nun in Adam plötzlich einen Zellengenossen bekommt. Aber woher kommt dieser Adam? Wie gehört er in das Spiel hinein? Fragen, die sich klären werden, Fragen, die mit der ein oder anderen überraschenden Wendung dann doch immer wieder neu in die Geschichte eintreten werden.

 

Wie ein Kammerspiel baut Tahareh Mafi ihr Debüt auf. Nur wenige Personen bilden letztlich den Kern ihrer Geschichte. Sparsam ist sie auch mit Hintergründen der Apokalypse, eine Sparsamkeit, die durchaus Wirkung zeigt und die Fantasie des Lesers anregt. Kurze, knappe Eindrücke einer zerstörten Welt, die für Beklemmung sorgen.

 

„Ich erinnere mich an Fernseher, offene Kamine, Keramikwaschbecken, An Kinokarten, Parkplätze, Geländewagen, Fensterläden, Löwenzahn... Ich erinnere mich, dass ich 10 Jahre alt war, als die Lebensmittel knapp wurden und man nicht mehr einkaufen konnte“.

 

Eine Welt, in der Juliette an sich selbst verzweifelt, ihre Gabe verflucht, sie am liebsten aus sich herausreißen würde und mehr als einmal befürchtet, dem Wahnsinn zu verfallen. Juliette, die aber, als es darauf ankommt, bereit ist, zu kämpfen. Für sich. Für die Liebe. Für die Hoffnung. Ein fast aussichtsloser Kampf, den Mafi mit durchaus anregenden Aktion-Sequenzen zu würzen versteht. Wobei die ein oder andere Länge nicht unerwähnt bleiben soll, manchmal verschleppt sich das Tempo des Buches doch sehr. Zudem wären einige Informationen mehr über die Umstände der Katastrophe und, vor allem, über die Neustrukturierung des Lebens wünschenswert gewesen. Aber vielleicht folgt dies ja alles noch in weiteren Bänden um den Widerstand in einer (fast) zerstörten Welt.

 

Interessante Ansätze, eine durchaus beklemmende Atmosphäre und eine solide Geschichte von Gut und Böse sorgen für durchaus anregende Unterhaltung und lassen auf eine Fortsetzung warten.

 

M.Lehmann-Pape 2012