dtv 2011
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Tamsyn Murray – Spooky Lucy. Mein Date im Jenseits

 

Teenager, nervend, modebewusst---und tot.

 

Einen ganz eigenen, wunderbar schrägen, Kosmos der Totenwelt hat Tamsyn Murray mit ihrer geisternden Lucy auf den Weg gebracht.

Bis zum entscheidenden Tag war Lucy ein 15jähriger, enervierender, Modezeitschriften und Make up süchtiger, sprich ganz normaler weiblicher Teenager der Moderne. War, würde man besser sagen, denn eines Nachts wurde Lucy auf einer öffentlichen Männertoillette ermordet. Seitdem isst sie der Klogeist der Carnaby Street und bereits die ersten Seiten des Buches zeigen auf, wie schwierig die Lage ist und wie wenig der Tod selbst die hibbelige und mit großer Klappe ausgestattet Lucy verändern konnte.

 

Sicher wäre sie ein zweites Mal an Langeweile noch gestorben ob des Mangels an ihren geliebten Daily Soaps, wenn nicht eines Tages Jeremy aufgetaucht wäre. Ein Mann, der sie sehen kann und, natürlich, sofort fasziniert sich des Rätsels des Teenager Geistes annehmen würde. Gut auch, dass Jeremy nicht unbedarft ist, sondern durchaus so einiges sich erschließt von den Regeln der Totenwelt. Es gelingt ihm, Lucy von der Fixierung auf den Todesort zu lösen, sie in den Tempel der teuren Verstorbenen zu bringen und dort beginnen die Dinge des Nachlebens dann durchaus Formen anzunehmen. Endlich ist wieder eine Art von Handy benutzbar, welch Erleichterung für ein 15jähriges Mädchen der heutigen Zeit. Und mehr noch. Ein durchaus munteres Treiben von Geistern nämlich ist es, auf das Lucy trifft. Schräge Gestalten, hochmütige Möchtegernfürstinnen, legere Revoluzzer und, dies vor allem, Ryan. Was für ein Kerl von einem Geist!

Klar beginnt umgehend eine Liebesgeschichte, die aber einiges an Fährnissen und Schwierigkeiten noch zu überwinden haben wird, bevor zum Ende des Buches der Lichtstreif am Horizont auftauchen wird, diesen Schwebe- und Zwischenzustand als Gespenst hinter sich lassen zu können.

 

Äußerst lebendig und kurzweilig zeigt sich Tamsyn Murray mit ihrer Vielzahl an kreativen Ideen für eine bunte und lebendige Geisterwelt, in der dennoch die Themen des alltäglichen Lebens, Neid, Langeweile, Komsumorientierung und, natürlich, die Liebe und das Verlieben ebenso wichtige Themen sind, wie in der Welt der Lebendigen, nur eben auf eine etwas verrückte, andere Art und Weise, die aber den Reiz des Buches durchaus fördert.

 

In lockerer Sprache versteht es Murray daher durchaus, entscheidende Themen für heranwachsende lesbar und interessant, dennoch aber mit gewissem Tiefgang zu verpacken. Dass der Schwebezustand als Gespenst nicht als letztgültige Existenzform gedacht ist, sondern durch eine gewisse Form der Reifung die nächste Ebene erreicht werden soll, dass ist sicherlich im übertragenen Sinne genau die Lebenssituation der eigentlichen Zielgruppe des Buches. Nebenbei erfährt so mancher Erwachsene noch einiges wesentliches aus dem Innenzustand Heranwachsender.

 

Ein lebendiges und kreativ geschriebenes Buch voller Einfälle, in lässiger Sprache und mit Verve geschrieben. Durchaus für die gedachte Zielgruppe der 13-16jährigen Mädchen zu empfehlen und auf jeden Fall als anregende Unterhaltung anzusehen.

 

M.Lehmann-Pape 2011