Goldmann 2013
Goldmann 2013

Trevor Shane – Paranoia – Die Rache

 

Gelungene Fortsetzung

 

Nachdem im ersten Band der Reihe der „Soldat“ Joe (Joseph) von seinem ehemals besten Freund und aktuellen Vorgesetzten getötet wurde, nachdem Joes Kind Christopher, gerade einige Tage alt, entführt wurde und Maria, Gefährtin Joes und Mutter Christophers, alleine und als völlig unwichtig für „den Krieg“ zurückgelassen wurde, nimmt Maria nun das Heft des Handelns in diesem zweiten Teil der Paranoia-Reihe in die Hand.

 

Ein verdeckter Krieg findet seit Jahrhunderten statt, bei dem die meisten Akteure keinen blassen Schimmer besitzen, worum es wirklich geht. Ein Krieg, der verdeckt „mitten im alltäglichen Leben der Welt“ geführt wird. Ein Krieg, bei dem jede Seite fest davon überzeugt ist, die „gute Seite“ zu sein und bis zum letzten Blutstropfen gegen die jeweils andere Seite, die „böse Seite“, kämpfen zu müssen. Inmitten einer nichtsahnenden Welt, in welcher der Rest der Menschheit seinem Tagewerk nachgeht.

 

Maria kennt nur ein Ziel: Christopher zurückzuholen. Sollte einer der Beteiligten vor seinem 18. Lebensjahr ein Kind zeugen, so gehört dieses Kind umgehend der „anderen Seite“. So lautet die Regel, so wurde verfahren. Woher diese Regel kommt? Warum es sie gibt? Das bleibt auch in diesem Band genauso um Dunkeln, wie bereits im ersten Band wenig über die Hintergründe des „Krieges“ zu erfahren war.

 

Die Dinge, Regeln, der Kampf, das alles ist einfach gesetzt in einer Welt, in der die Eingeweihten und Beteiligten vor allem eines zum Überleben brauchen: Paranoia. Denn jeder Passant, jeder Kellner, jeder Angestellte kann ein Killer sein.

 

Ein Killer wie Joe einer war und wie Michael, Joes anderer Freund, es war. Michael ist ausgestiegen, doch in Ruhe gelassen wird er nicht. Nicht nur nicht durch Maria, die ihn aufspürt und ihn bittet, ihr zu helfen. Wird er sich darauf einlassen? Kann sie ihm trauen? Und wo überhaupt könnte Sie eine Spur ihres verlorenen Kindes finden? Und was eigentlich ist der „Untergrund“, der zwischen den beiden kriegerischen Parteien ganz eigene Wege geht?

 

In klarer und temporeicher Sprache bietet Shane die Fortsetzung seiner Geschichte an, die durchaus eigenständig die Geschichte Marias erzählt. Junge Frau und Mutter, die sich fast im Alleingang gegen die skrupellosen Parteien stellt. Wobei in Stil und allgemeiner Grundhaltung der Geschichte schnell klar wird, dass Shane hier den alten Kampf zwischen Gut und Böse aufgreift. Wobei die „kriegerischen Parteien“ beide nicht auf der „guten Seite“ stehen, sondern jene, die sich gegen jede Form des Krieges wenden, ihren fast aussichtslosen Kampf „für das Gute“ aufnehmen.

 

Joseph, Maria und Christopher, offenkundig der biblischen Familie nachempfunden (Josef, Maria und Jesus (Christus)). Michael, der wie der Erzengel gleichen Namens nicht der christlichen Nächstenliebe verpflichtet ist, sondern, wie alle urtümlichen Engelgestalten, den Kampf annimmt. Ohne Rücksicht auf die eigene Unversehrtheit.

 

So gelesen wird im Buch in spannender und teils intensiver Atmosphäre die Gleichnishaftigkeit des Geschehens deutlich, die Uneinsichtigkeit der Vielen, die Verfahrenheit in nicht mehr hinterfragte Traditionen und Gesetzlichkeiten.

 

Geschickt lässt Shane zudem in „Zwischenberichten“ Eindrücke der Zukunft aufblitzen, die den Leser ständig neugierig halten und als Cliffhanger zum Ende hin hervorragend funktionieren.

 

Wie auch der erste Band liest sich das Buch wie auf einen Rutsch und beeindruckt mit seinem Tempo und der bestens erzählten Geschichte.

 

M.Lehmann-Pape 2013