dtv 2014
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Alex Kershaw – Der Befreier

 

Sachlich und umfassend informativ

 

Natürlich sind im Lauf der Jahre alle Hintergründe, Bewegungen, militärische Schritte, Optionen, historische Betrachtungen zu und über den zweiten Weltkrieg in vielfacher Form bereits beleuchtet worden.

 

Dennoch, gerade was die populäre Literatur angeht, die Filme und die Darstellung in anderen Medien, der „D-Day“, die Invasion in der Normandie besitzt hier doch einen deutlich höheren Stellenwert vor anderen militärischen Ereignissen. Die doch letztlich alle gleichwertig von allen Seiten her stattfanden. Vom Osten wie vom Westen wie vom Süden her.

 

In dieser Weise gesehen bietet das neue Buch von Alex Kershaw nun eine ausführliche, intensive, persönlich gehaltene Darstellung der „anderen Invasion“, der von Sizilien im Süden aus durch Italien und Teile der Balkanstaaten hindurch.

 

Minutiös und detailliert folgt Kerschaw hier in seinem sehr sachlichen, nüchternen Stil den „Fußspuren“ des Amerikaners Felix Sparks. Offizier mit Verantwortung, der vom ersten Schritt auf den Boden Siziliens an den kompletten Krieg miterlebte, dem das Grauen „auf die Haut“ rückte in vielfacher Form.

 

Ungeschminkt und sehr klar in der Sprache führt Kershaw den Leser durch die einzelnen, blutigen, Verlustreichen, von Entsetzen und Trauer genauso gekennzeichneten Etappen, wie Umsicht und auch Stolz über Erfolge erkennbar werden.

 

In seiner Beschreibung bleibt Kershaw durchweg sachlich distanziert, lässt keine „Action-Orgien“ a la Hollywood Kriegsfilmen entstehen, auch wenn Blut, Fleisch, Körperteile und Tod den Weg gepflastert haben (und Kershaw dies nicht verschweigt).

 

Sein „roter Faden“, sein Augenmerk, neben der umfassenden Darstellung dieser Seite des Kampfes gegen den Feind gilt vor allem der „inneren Bewahrung“ des Offiziers Felix Sparks. Eine durchgehende Haltung, die beim „letzten Bild“ ihren Anfang für dieses Buch nahem.

 

Einer, der unter großen Opfern gekämpft hat, der viele seiner Leute zu betrauern hatte, der Leid und Tod gesehen hat, der die Brutalität und den Fanatismus der SS sowohl im Feld erlebt wie auch in ihren zivilen Folgen im Konzentrationslager hautnah mit angesehen hat.

 

Und der dennoch in einem entscheidenden Moment weder den Kopf noch sein Herz verliert noch seine Überzeugungen, die Erschießung einer Gruppe gefangener SS Männer beherzt verhindert. Was auch der Leser nach der Lektüre dieses Buches nicht unbedingt von ihm erwartet hätte. Wo auch nach der Lektüre vom Gefühl her die Entladung all dessen an Wut und Entsetzen in gezielten Gewehrschüssen mehr als verständlich (und entschuldbar ) gewesen wäre.

 

So erhält der Leser in sehr fundierter und sorgfältig recherchierter Weise einen minutiösen Einblick in die Kämpfe des zweiten Weltkrieges, die von Sizilien ausgingen, die „Konkurrenz“ der Alliierten untereinander, die „Hölle des Krieges“ in den Schlachten und ebenfalls das Portrait eines „Mannes der Tat“ mit klarer und fester Haltung (und wie diese sich über die Kämpfe und das Grauen des Anblicks des KZ hin sich bewahrte).

 

 

Eine wichtige Lektüre über ein immer noch wichtiges, in seinen Grundzügen zeitloses Thema der „Bewahrung des Menschlichen“ im Krieg.

 

M.Lehmann-Pape 2014