C.H.Beck 2014
C.H.Beck 2014

Annika Mombauer – Die Julikrise

 

Kompakte, aber inhaltliche treffende Darstellung

 

Es sind die Tage zwischen dem 28. Juni 1914 (das Attentat in Sarajewo) bis zum 4. August 1914 (Kriegserklärung Englands an Deutschland und damit Ausbruch des ersten Weltkrieges), in denen Europa „sehenden Auges“ aus durchaus verschiedenen Motiven der verschiedenen Seiten heraus auf den ersten Weltkrieg teils zuging, teils getrieben wurde.

 

Ein verharmlosendes „Hereinschlittern“ aber, als wäre das Ganze ein missverständlicher Unfall, eine unabänderliche Aneinanderreihung von „Schicksal“ gewesen, dem erteilt Annika Mombauer in ihrer Darstellung aufgrund fundierter Quellenauswertung eine klare Absage.

 

Dieser Krieg an sich war gewollt. War als „außenpolitischer Befreiungsschlag“ des deutschen Reiches und Österreich-Ungarns ebenso geplant, wie die wirtschaftlichen Interessen Frankreichs und Englands und die politischen Pläne des Zarenreiches ihre Rolle spielten.

 

Ob allerdings die dann folgende „Urkatastrophe“ in dieser Form „angestrebt“ war oder überhaupt nur für möglich gehalten wurde, darf nach der Lektüre dieses schmalen Bandes (wie bisher) mit Fug und Recht weiter bezweifelt werden.

 

Kurzsichtigkeit, Egomanie, teils poltische Inkompetenz und / oder Borniertheit, vieles kam zusammen in einer seit Jahren bereits europäisch-aufgeladenen Atmosphäre. Denn, wie Mombauer in ihrem Blick auf die vorlaufende Zeit klar herausarbeitet, stellt das Attentat von Sarajewo und die Folgen letztendlich nur die logische Konsequenz einer weitreichenden und langen Reihe von internationalen Konflikten dar.

 

Es mag einzelne Politiker und politische Kräfte gegeben haben, deren Blick weiter reichte und die „das Schlimmste“ verhindern wollten, aber in der allgemeinen Gemengelage waren solche Ambitionen zum Scheitern verurteilt.

 

Nicht umsonst ging ein Aufschrei des Stoltzes und der „Kriegsbegeisterung“ auch durch breite Ströme des „einfachen Volkes“, als der Krieg ausbrach. Entsprechend eben der allgemeinen Befindlichkeit als Ergebnis jahrelanger „Aufheizung“.

 

Deutlich wird auch, dass es nicht „den einen“ schuldigen (lange Zeit Deutschland) zu verorten gibt, sondern an vielen Orten und unter vielen Interessen Konflikte schwärten und nicht friedlich beigelegt wurden. U.a. Seit 1870/71 bereits gärte die „Wunde Frankreichs“, die sich in zunehmenden und starken Ressentiments gegen alles Deutsche mehr und mehr spürbar vertiefte.

 

 

Insgesamt eine sachgerechte und auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft sich befindenden, differenzierte Darstellung, die trotz des eher geringen Umfangs die gewollte Unabwendbarkeit des Kriegsausbruches von allen Seiten her beleuchtet.

 

M.Lehmann-Pape 2014