C.Bertelsmann 2010
C.Bertelsmann 2010

Guido Knopp, Stefan Brauburger,Peter Arens – Die Deutschen von Karl dem Großen bis Rosa Luxemburg

 

Deutsche Geschichte zum Anfassen

 

Nach dem großen Erfolg der von Guido Knopp entwickelten und umgesetzten Fernsehreihe war es fast zwangsläufig, die Porträts entscheidender Gestalten der Deutschen Geschichte aus dem eher flüchtigen Medium Fernsehen in das dauerhafte Medium Buch umzusetzen. Dies ist im vorliegenden Band, vorweg gesagt, in ähnlich hochwertiger Weise erfolgt, wie die einzelnen Beiträge der Fernsehreihe von hoher Qualität waren und wie bereits der erste band der deutschen Betrachtungen 2008 gelungen war..

 

Guido Knopp ist mittlerweile ja fast ein Synonym für fundiert recherchierte und durchaus dann auch unterhaltsam-bewegend vorgestellte, zum Leben erwachende Geschichte.

 

Die Eckpfeiler seiner Darstellung sind bereits in der formalen Anlage des Buches einschneidend gewählt. Karl der Große (den Frankreich allerdings ebenso für sich in Anspruch nimmt die Deutschland) steht zu Beginn der eigentlichen deutschen Geschichte, seine Reichsgründung setzte bis weit in das 20 Jahrhundert hinein jene entscheidenden Mythen und Rahmungen, die das Deutsche Reich in Gang setzten. Gustav Stresemann, dessen Darstellung das Buch beschließt (etwas unverständlich, dass im Titel Rosa Luxemburg als zweiter Eckpunkt genannt wird) steht für die Zeit der beginnenden Republik, des Endes der Feudalherrschaft und Monarchie, den ersten Versuch, dauerhaft demokratisch legitimierter Macht in Deutschland.

 

Natürlich ist es ob der Fülle der geschichtlichen Ereignisse und der darin handelnden Person unabdingbar notwendig, eine Auswahl zu treffen. In diesem, historisch breiter gespannten Bogen, legen die Autoren daher bestimmte Schwerpunkte, die an konkreten Personen fest verankert werden. Karl der Große als Wegbereiter und Grundleger aller späteren Entwicklungen, Friedrich der II. und Karl der IV. als Reflektoren der Verbindungen deutscher und europäischer Kultur, Hildegard von Bingen als Symbol des Verständnisses der Frau im Mittelalter. Daraus übergehend erfolgen Betrachtungen über August den Starken und Ludwig den II als Sinnbilder kultureller und politischer Vielfalt im Lande, bevor in den Personen von Thomas Müntzer, Karl Marx und Rosa Luxemburg jene Persönlichkeiten gewürdigt werden, die für die um sich greifende soziale Revolution wegbereitend stehen. An Gustav Stresemann letztlich wird erkennbar, dass die beginnende Zeit der Demokratie bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine echte Chance gehabt hätte und nicht zwangsläufig gescheitert ist. Eine Chance, deren Nutzung viele erspart hätte im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts. Gerade dieses Kapitel ist, ebenso verständlich und fundiert gestaltet, wie alle weiteren Beiträge des Buches auch, ein wichtiges Element auch für die Gegenwart. Nicht nur, wie fast unabdingbar wichtig einzelne Personen mit ihren überzeugt demokratischen Wertvorstellungen für eine Gesellschaft sind (der Tod Stresemanns stellt eine wesentliche Schwächung der damals jungen Republik dar), sondern auch, welche Strömungen an demokratischer Gleichgültigkeit eine Gefährdung der demokratischen Substanz darstellen. Strömungen, die auch in der Gegenwart beginnen, Fuß zu fassen.

 

Gut gewählte Persönlichkeiten, akribisch geschilderte Lebenswege und, vor allem, Werk und Einfluss samt deren Folgewirkung ergeben im Verlauf des Buches ein verständlich und überschaubares Gesamtbild jener geschichtlichen Wurzeln und Fundamente, auf denen auch die gegenwärtige Gesellschaft noch ruht. Die Vielfachen Verweise auf Verflechtungen mit philosophischen Gedanken und herrschenden Werten in den einzelnen Porträts zeigen ebenfalls überzeugend auf, dass nie einzelne Personen alleine den Gang der Dinge umwerfen, sondern in diesen Personen immer vielfache Strömungen und Entwicklungen kulminieren.

 

Lebendige Geschichte in bester Weise dargestellt, seriös und fundiert. Bestens ergänzt mit hochwertigem Bildmaterial.

 

M.Lehmann-Pape 2010