Tyrolia 2013
Tyrolia 2013

Hans Magenschab – Der große Krieg

 

Intensive Dokumentation der österreichischen Beteiligung am 1. Weltkrieg

 

Etwa in der Mitte des Werkes könnte der Betrachter fast glauben, bei einer entspannenden Mittagspause in der Sommerfrische in den Bergen Zuschauer zu sein.

 

Wenn die drei Männer, von denen einer schläft, einer in Ruhe einen Brief schreibt und ein dritter sehr entspannt hinzutritt, nicht Uniformen tragen und sich in einem Schützengraben befinden würden. Der allerdings mehr einem Korbgeflecht ähnelt als einem hart umkämpften Ort der Kugeln und des Todes.

 

Anders zudem als in anderen Bildbänden solchen Formats stehen in diesem Werk Text und Bild in gleichwertigem Verhältnis und trotz der hervorragenden und intensiv die Atmosphäre je transportierender Bilder bietet der ausführliche Textteil das Eigentliche an Informationen.

 

Zu einem Thema, dass durchaus seine Beachtung bereits gefunden hat, aber dennoch im Vergleich zur Betrachtung des ersten Weltkrieges in Bezug auf andere beteiligte Nationen doch noch reichlich Platz für Gesamtdarstellungen bietet, gerade im Blick auf das vielfache und beeindruckende Bildmaterial, welches Magenschab verwendet.

 

„Wer Weg in den Untergang“, „Die Katastrophe im Osten“, „Der Krieg im Gebirge“ (dem das oben erwähnte Bild zuzuordnen ist) und „Das Ende der Monarchie“ sind die vier großen Etappen, denen Magenschab in Text und Bild geordnet nachgeht. Bis dahin, dass gilt:

 

„Während alle kriegführenden Mächte überleben und neue Staaten entstehen, zerbricht die Habsbugermonarchie“. Und zwar komplett. Wird „auseinandergebaut“ von den Siegern.

 

Warum das so war, welche Schritte dieser Entwicklung im Nachgang fast folgerichtig vorweg gingen, wie sich der Krieg, der in der „Mitte Frankreichs“ auch für Österreich entschieden wurde, mit solchen Folgen für Österreich-Ungarn zeigt von „Serbien muss sterbien“ (keine sonderlich geglückte Wortschöpfung, aber im Kern nachvollziehbar dargestellt) bis dahin, dass schon im ersten Weltkrieg im Osten bei minus 25 Grad in den Karpaten mit die Weichenstellungen für den weiteren Kriegsverlauf gelegt wurden dieses Buch mit durchweg eindrucksvollen Fotografien und verständlichen, aufarbeitenden Texten auf.

 

Nicht nur,  wie österreichische Soldaten sich durch die Alpen in der Regel ohne professionelle Kletterausrüstung bewegen musste, wie geplante Attentate und der natürliche Tod eines Kaisers dann doch zu (zu späten) Bemühungen um Frieden führten zeigen die facettenreichen Momente dieses Krieges interessant auf.

 

Ein Geschehen und eine Entwicklung, die letztendlich in ihrem bitteren und durchaus revanchistisch zu nennenden Ende umgehend den Nährboden für „neuen Hass, neue Rachegedanken, neue Gewalt“ und vieles mehr bereiteten.

 

In Text und Bild flüssig, auf den punkt getroffen und sehr ausführlich legt Hans Magenschab als empfehlenswerte Lektüre die Geschichte und das ergehen des habsburgischen Österreichs im ersten Weltkrieg dem Leser vor Augen.

 

M.Lehmann-Pape 2013