C.H.Beck 2012
C.H.Beck 2012

Hartmut Boockmann – Der Deutsche Ritterorden

 

Sachliche Darstellung und „Entmythologisierung“  der Ordensgeschichte

 

Wo einem in Deutschland die Bezeichnung „Deutsches ´Haus“ begegnet und das entsprechende Gebäude diesen Beinamen von alters her führt, dort trifft man auf bis heute vorhandene Spuren des „Deutschen Ordens“. Und das ist vielfach und an vielen verschiedenen Orten der Fall. Zeichen einer Ausbreitung und Machtfülle des Deutschen Ordens, die bis heute ihre Spuren hinterlassen hat.

Nicht nur bei solchen Gebäuden hat der Deutsche Orden seine Spuren hinterlassen. So, wie die Ordensgeschichte umgeben ist von Mythen und Legenden, ist es ein fundiertes und sachlich orientiertes Anliegen des Autors, anhand der realen Spuren die Geschichte des Ordens ebenso sachlich nachzuvollziehen und von einer Vielzahl an Legenden und Mythen dabei durchaus zu entkleiden. Dies übrigens, ohne der Historie Faszination zu nehmen, denn hoch interessant liest sich dieses Kapitel deutscher „Rittergeschichte“, einer Geschichte von Verbindungen über die Zeiten hinweg bis in die Gegenwart hinein und ein wichtiger und einflussreicher Faktor der Staatenbildung in Deutschland ab dem späten Mittelalter.

 

Eine Geschichte voller Nimbus. Nicht ohne innere und äußere Gründe hat so unter anderem Wilhelm der II. oft die Nähe zu symbolträchtigen Orten, vor allem der Marienburg, der „Hochmeisterresidenz“ gesucht. Ebenso, wie Hitler das Gebäude mit (unguter) Symbolik wiederum nutzte und in Teilen neu füllte durch die Wahl der Marienburg als Ort der jährlichen Aufnahme der „Neuen“ in das nationalsozialistische Jungvolk.

 

Geründet als jüngster der Ritterorden der Kreuzfahrer hat der Deutsche Orden nach dem „Verlust des Heiligen Landes“ 1291 sich konsequent im Mittelpunkt seiner damaligen Machtzentrale angesiedelt, in Preußen. Hier begann eine Entwicklung, die sich im Lauf der Zeiten zu einer Form von „Staat“ entwickelte  (Deutschordenstaat) und vielfach eingebunden war in die „weltlichen“ Staats- und Machtbelange der jeweiligen Zeit. Eine Entwicklung, die im Buch folgerichtige und in ihren einzelnen Stationen nachzulesen ist.

 

Vom 12 Jahrhundert bis zur Gegenwart, vom „Heiligen Land“ über Preußen, Polen, Litauen und dem ganzen ehemaligen deutschen Reichsgebiet reicht die Geschichte des Ordens, die somit nicht leicht zu fassen und zu bündeln ist.

So wählt Boockmann den Weg, den Schwerpunkt auf die preußische Geschichte des Ordens zu legen. Wohlweislich allerdings ignoriert er dabei nicht die Wechselbeziehungen zu anderen Landstrichen und Entwicklungen und löst so in seiner Darstellung die Geschichte des Ordens aus seinem oft verkürzten Verständnis preußischen Hoheitsdenkens heraus.

 

Weder der „preußischen Verherrlichung“ noch der „negativen Beurteilung“ (vor allem in Polen) folgt Boockmann, sondern objektiviert und versachlicht seine Darstellung der Fakten und tatsächlichen Ereignisse hinter den je populären Strömungen und Legendebildungen. Durch die Setzung seines Scherpunktes auf die mittelalterliche Geschichte (der aktiven „Hoch-Zeit“ des Ordens), sichert Boockmann zudem noch seine geschichtsorientierte Darstellung, ohne einem „modernen“ Nimbus nach zu hängen.

 

Sozialgeschichte, Adelsgeschichte, ein guter Teil Macht- und Kirchengeschichte des hohen und späten Mittelalters ist es, welches er letztlich fundiert und sorgfältig recherchiert in zudem flüssiger und verständlicher Sprache mit diesem Buch vorlegt. Hier sei auf seine Darstellung der „inneren Strukturen des Ordensstaates Preußen“ Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts verwiesen, in welcher der  Leser einen kompakten Eindruck von der weltlichen Macht und dem Einfluss des Ordens vor Augen geführt bekommt.

 

Erst zum Abschluss der strikt chronologischen Darstellung setzt Boockmann dann eine Betrachtung der Folgen. Nämlich des Verständnisses und auch der symbolischen Nutzung bis zur Umdeutung hin  des Deutschen Ordens im 19. Und 20. Jahrhundert. Spannend ist hier zu lesen, wie sich dieser Nimbus und die je verschiedene Betrachtung des Deutschen Ordens vor allem in Dichtung und Drama niederschlug und ebenso interessant ist es, die polnische Haltung zum Deutschen Orden genau erläutert zu bekommen und aufgrund der Buches intensiv verstehen und einordnen zu können.

 

Alles in allem ein flüssig zu lesendes, jederzeit sachgerechtes Geschichtsbuch zu einer der prägenden „Mächte“ preußischer (und darüber hinausgehender) „Staatsgeschichte“, versehen mit einem breiten und Umfassenden Anhang, der zur Weiterarbeit am Thema geradezu einlädt.

 

M.Lehmann-Pape 2012