S.Fischer 2017
S.Fischer 2017

Mary Beard – Kleopatras Nase

 

Lehrreiche Geschichte(n)

 

„Dieses Buch bietet einen Rundgang durch die klassische Welt, vom prähistorischen Palast im kretischen Knossos bis zu jenem fiktiven Dorf in Gallien, wo Asterix und seine Freunde den Römern noch immer Widerstand leisten“.

 

Was Beard im Lauf der Lektüre auch einlöst. Und, wie dieser Anfang bereits suggeriert, dies durchaus auch mit einem Augenzwinkern hier und da zu versehen versteht.

 

Atmosphäre, Orte, Zeitzeichen und die politischen Grundzüge werden dabei in den einzelnen Stationen dieses Rundgangs dem Leser ebenso vor Augen geführt, wie bekannte Persönlichkeiten immer wieder auftauchen und näher beleuchtet werden.

 

Sappho, Alexander der Große, natürlich Kleopatra, Hannibal, Julius Caesar, Nero, Caligula, Boudicca, Tacitus und vieles mehr an bekanntem Namen tummelt sich, zu den je passenden Zeiten, im Buch,

 

Wie war der Alltag in der Antike? Was amüsierte, was ängstigte die Menschen, worunter litten sie, was freute den „Normal-Bürger“ der Antike. Betrachtungen, die bis hin zu der Frage der Zahnpflege reichen, die großen und kleinen Themen der Zeiten aufgreifen und das Ganze sehr fließend und unterhaltsam zu Papier gebracht wurde.

 

Griffig und mit vielen Details versehen gelingt es Beard daher wieder einmal fast spielend, die „ferne Antike“ unmittelbar erlebbar zu beschreiben und damit die Personen und Lebensumstände in die Gegenwart des Lesers zu transportieren. Mit dem Wunsch zudem, nicht nur „betrachtend“ zu verharren, sondern die lebhaften Schilderungen als eine Aufforderung zum persönlichen Dialog zu verstehen.

 

Denn nicht selten, trotz anderer politischer Umstände, wendeten sich die Denker und „normalen““ Menschen der Antike intensiv Fragen zu, die auch für die heutige Zeit noch hohe Bedeutung haben. Und ebenso ist die Bewertung vieler antiker Personen und Ereignisse (war Kleopatra wirklich entscheidend für einen Teil er Geschichte Roms? Woher generierte Rom diese Vielzahl an benötigten Sklaven für den reibungslosen Ablauf des Alltags?). Fragen, die immer noch Teil einer lebendigen Debatte sind, welche Beard im Buch ebenfalls immer wieder vor Augen führt.

 

Und so wird immer wieder deutlich, wie wichtig die historische Wissenschaft für die kulturelle Vergewisserung der jeweiligen Gegenwart ist

 

„…ist das unauslöschliche Eingewobensein der klassischen Tradition in die westliche Kultur“.

 

Seien es nun die (vielfachen) Schwächen „Alexanders des Großen“ oder seine „Vaterfixierung“, seien es die vielfachen Versuche der Entschlüsselung des „Mythos Kleopatra“, seien es die Darstellungen Roms „von unten nach oben“, Beard verbindet einen anregenden Stil des Erzählens mit der differenzierten Darstellung des aktuellen Standes der historischen Wissenschaft und vielfachen Einblicken in das Leben der entsprechenden Zeiten.

 

 

So dass der Leser deutlich besser informiert und mit wesentlich mehr Blickrichtungen auf die einzelnen Personen, Lebensweisen und Ereignisse der Antike am Ende der Lektüre sich wiederfindet. Wobei doch das eigentliche „Steckenpferd“ der Autorin, die Geschichte Roms, den Kern des Buches ausmacht und auch vorhergehende Zeiten (wie eben Alexander der Große) in ihrer Rezeption durch Rom und aus der Sicht Roms zumindest in weiten Teilen mit dargestellt wird.

 

M.Lehmann-Pape 2017