Michael Hochgeschwender – Die amerikanische Revolution

 

Gut zu lesendes und faktenreiches Werk

 

Trotzdem dieses Werk von Michael Hochgeschwender ein ausgewiesenes Fachbuch ist und sich vielfach auch kleinteilig mit Fakten der „Amerikanischen Revolution“ beschäftigt, gelingt es dem Autor dennoch, eine einigermaßen flüssige Lektüre vorzulegen.

 

Nicht unbedingt im Stil anderer populärwissenschaftlicher Bücher im „lockeren amerikanischen Stil“, aber doch so, dass man nicht ständig wiederholt Lesen muss, um die einzelnen Abschnitte zu verstehen.

 

Wobei sich Hochgeschwender sehr differenziert seinen Grundfragen „Welche Revolution und wessen Revolution?“ zuwendet, die als roter Faden im Hintergrund der einzelnen Abschnitte des „Freiheitskampfes“ eine thematische Klammer ergeben.

 

Ein einfaches „Schwarz-Weiß“ Denken ist dabei Hochgeschwenders Sache nicht, sehr differenziert legt er die einzelnen Strömungen und Fäden dieses Gründungsgeschehens des amerikanischen Staates vor Augen und scheut sich nicht, auch modernes Hollywoodkino („Der Patriot“ mit Mel Gibson) als Beispiel heranzuführen, dass es eben nicht so einfach und reduziert in den Motiven und Ereignissen geschehen ist, wie solche Filme in ihrem „Gut-Böse“ Schema samt Pathos und Emotionen darlegen.

 

Und andererseits nimmt Hochgeschwender den Film auch nahtlos thematisch auf, um die Kernfrage mit in den Raum zu stellen, was denn dieses Geschehen vor 250 Jahren in solcher Form attraktiv hält, dass bis in die Gegenwart hinein genau dieser Freiheitskampf als das Symbol schlechthin für das Streben des Menschen nach individuellen Rechten, nach dem Recht zur freien, persönlichen Entfaltung und zur gemeinsamen, kulturellen Selbstverantwortung im Raume steht.

 

„Unabhängig von religiösen oder politischen Überzeugungen waren die ersten Generationen nach der Revolution fest davon überzeugt, ihr Staatswesen sei von Gott, der Natur oder der Geschichte zu einer besonderen Freiheitsmission berufen“.

 

Ein tief verankerter Glaubenssatz, der (und hier schlägt Hochgeschwender immer wieder die Bresche auch zur Gegenwart), einer der tiefsten Sehnsüchte und Bedürfnisse menschlichen Seins Ausdruck verleiht. Eine motivierende Kraft, die in den einzelnen Abläufen, Kämpfen, Schlachten der Zeit von 1763 an immer wieder über sich hinauswachsen ließ.

 

Ein „Virus der Freiheit“, das von Amerika ausgegangen ist, wie es R.R. Palmer ausdrückte. Das aber wesentlich komplexere Hintergründe aufzuweisen hat als jene des „guten“, freiheitsliebenden Amerikaners auf der einen und des „bösen“, korrupten britischen Empire auf der anderen Seite.

 

Minutiös dann folgt Hochgeschwender den Ereignissen vom „Vorabend der Revolution“ und der zunehmenden Unruhe der Kolonisten in der Folge des, für die Briten umfassend siegreichen „siebenjährigen Krieges“ über den „Sturm, der aufzieht“ bis zum Befreiungskampf selbst.

 

Besonders zu beachten und zu empfehlen sind dabei die Betrachtungen der „Kulturgeschichte des Unabhängigkeitskrieges“, weil sich im Tross und Lagerleben, im Kampf gegen Verwundung und Tod in der nicht unbedeutenden Frage der Funktion und Haltung der Frauen in diesen Jahren und den „Folgekriegen“, der Revolution der schwarzen Amerikaner und des Krieges gegen die Indianer konstruktive und destruktive Linien und Haltungen entfalteten, die über den amerikanischen Bürgerkrieg bis in die Gegenwart hinein auch die alltägliche Politik und Weltanschauung Amerikas tief mit geprägt haben. Haltungen, deren Wurzeln bereits im Unabhängigkeitskrieg mit angelegt wurden und sich dort bereits zeigten.

 

So kann Hochgeschwender in einem durchaus emotionalen Schlusskapitel dann seine Sicht von unabdingbar zusammenhängender Größe (auch als eine der prägenden Führungsnationen der Welt der Neuzeit) Amerikas einerseits und der „Tragik einer unvollendeten Nation“ intensiv vor Augen legen.

 

Von der Entwicklung einer alle Schichten umfassenden Grundidee (von der der „amerikanische Traum“ nur eine ist) einer „chancengleichen Freiheit“, die tief auf eine Ebene von „Interessen“ (pragmatischer vergleichbarer Teilhabe in der Ökonomie mit darin schon angelegter Ausprägung vor allem finanzieller Eliten) mit einwirkte, die ebenfalls dann im Gesamten eine sehr pragmatische Form der „Praktiken“ sich entfalten ließ, die Hochgeschwender ebenso differenziert in ihren Wirkungen aufzeigt, wie er im gesamten Buch dem Thema differenziert gerecht wird.

 

 

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre, um aus einer konkreten Entwicklung der Vergangenheit vielfache Schlüsse für Chancen und Gefährdungen der Gegenwart ziehen zu können. Vom tiefen Antrieb der „Freiheit“ zum eben auch „simply the best“ (im egoistischen Sinne) Denken und Handeln teils nur vermeintlicher Eliten der Gegenwart. Innerhalb derer fundiert und detailliert auch die einzelnen Etappen der amerikanischen Revolution sachgerecht geschildert werden. So gelingt es Hochgeschwender, die „Geburt einer Nation“ auch in ihren prägenden kulturellen Ideen und Umsetzungen verständlich zu skizzieren.

 

M.Lehmann-Pape 2017