Theiss 2017
Theiss 2017

Philip T. Hoffmann – Wie Europa die Welt eroberte

 

Durch Rüstung zur Weltmacht

 

Vom Jahr 900, dem tiefsten Mittelalter aus gesehen, war Europa ein ungesunder, armer, unattraktiver Ort mit kaum Luxus und geringer Lebenserwartung. Da mussten schon die Mauren nach Spanien kommen, um ein wenig Lebenskultur in Europa vorzeigen zu können. Muslimische Lebenskultur mit Kulturwissenschaften, Poesie und entwickelter Medizin, wofür u.a. Cordoba stand und bekannt war.

 

Dann aber, ab der Mitte des 15.Jahrhunderts bis hin zum Beginn des 20. Jahrhunderts errang Europa eine weltweite Vormachtstellung in so gut wie jeder Hinsicht, die ihresgleichen suchte.

 

Hoffmanns Grundthese dabei ist, dass dies nicht durch die schönen Künste“ oder „zivile technologische Erfindungen“ ermöglicht wurde, sondern vor allem auf den immerwährenden militärischen Spannungen der einzelnen Reiche und selbst kleinerer Fürstentümer und Stadtstaaten untereinander beruht. Konflikte, die durch Wettrüsten gekennzeichnet waren und darin vielfache Technologien bis hin zum Schießpulver erfanden, durch die Europa zusehends an Stärke und globalem Einfluss gewann.

 

Anders, als viele andere, zu Zeiten durchaus ebenfalls mächtige Nationen der Geschichte. Die ebenfalls je moderne Waffensysteme ja zu ihren Hochzeiten besaßen.

 

Je moderne, überlegene Technologie zu entwickeln, das war die Stärke Europas in den Jahrhunderten, als die Welt das erste Mal verteilt wurde.

 

„Die..….beste Antwort auf diese Fragen ist, dass der militärische Wettbewerb in Europa den Europäern den entscheidenden Vorteil verlieh“. Ein Vorteil, der mit dem ersten Weltkrieg und, vor allem dann, mit dem zweiten Weltkrieg weitgehend verloren ging.

 

Mit dieser These im Hinterkopf zeichnet Hoffmann die „Eroberungsgeschichte“ Europas nach, von der frühen Neuzeit bis zum Ende des ersten Weltkrieges und versäumt es dabei auch nicht, die Schattenseiten zu benennen.

 

„Jede Eroberung hat ihren Preis“.

 

Zumindest im Blick auf die unaufhörlichen europäischen Konflikte stimmt dies und relativiert die großen Erträge der Kolonialzeit mit den ebenfalls ständig hohen Rüstungsausgaben.

 

Ein interessant zu lesendes Buch, dass im Hintergrund durchaus den Gedanken zulässt, nach Ende der inneren Konflikte erst auf ziviler Ebene „Reichtum für alle“ zumindest im Ansatz hergestellt zu haben.

 

Was vielleicht auch nur auf der Basis der konfliktreichen Jahrhunderte dann möglich geworden ist.

 

 

M.Lehmann-Pape 2017