DVA 2018
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Ronen Bergmann – Der Schattenkrieg

 

Was man immer schon ahnte nun in fundierter Darstellung

 

Der Staat Israel hat, seit seiner Gründung, oft und oft offen gezeigt, dass er sich zu wehren, zu verteidigen und, in Angriffszügen, seine Sicherheit zu wahren versteht. Auch wenn in jüngeren Vergangenheit Feldzüge sich festfuhren und je einen eher zähen Verlauf nahmen.

 

„Sicherheit“ ist das oberste Gebot der handelnden Verantwortlichen und auch dies ist ob der eher feindlich gesinnten Anrainerstaaten und der speziellen Geschichte des jüdischen Volkes und des Staates Israel nachvollziehbar.

 

Und ebenso, nicht erst seid Gründung des „Mossad“, effizient strukturiert aber dann durch diesen, vollzieht Israel auch eine „Ausschaltung von (bekannten oder befürchteten) Bedrohungen „im Geheimen“. Nicht nur als Vergeltung, wie in den Aktionen gegen die Attentäter von München, sondern über die Jahre hinweg als markante Waffe gegen ausgemachte Bedrohungen.

 

„Wenn jemand kommt, dich zu töten, steh auf und töte ihn zuerst“.

 

Ein Zitat aus dem Talmud, dass Bergmann völlig zu Recht und themengebend seinem Werk voranstellt.

 

Denn wie das genau abläuft, welche mannigfaltigen „Aktionen“ (in weiten Teilen auch völlig an der öffentliche Wahrnehmung vorbei) durchgeführt wurden, welche Überlegungen dahinterstehen, wer plant und wie ausgeführt wird und, auch, welchen Preis das letztlich kostet und welche Gefahren einer solch einseitigen und erbarmungslosen Haltung (so verständlich diese in Teilen auch sein mag) innewohnt, all das legt Bergmann sorgfältig recherchiert, verständlich in der Darstellung und fundiert in den Querverbindungen vor die Augen des Lesers.

 

„Die fast vollständige Intransparenz ihres (/der „Geheimdienstgemeinde“) Handelns wird durch einen Komplex von Gesetzen und Verhaltensregeln gesichert. Durch Militärzensur, durch Einschüchterung, Befragung und strafrechtlicher Verfolgung von Journalisten…..“

 

Eine Haltung und ein System, dass Bergmann selbst zu spüren bekam im Verlauf der Arbeit am Buch (und das nicht nur in den Versuchen, offizielle Quellen zu befragen und entsprechende Dokumente einsehen zu können. Da wurde die Spanne der Geheimhaltung flugs von 50 auf 70 Jahre per Gesetz verlängert, was durchaus mit Bergmanns Recherchen zu tun hatte).

 

So liegen dem Buch als wichtigste Quellen rund 1000 Interviews zu Grunde, aus denen Bergmann überzeugend einzelne Fälle, Strukturen und eine gesamte Geistes- und Denkhaltung rekonstruiert, die immer nah an der Praxis offengelegt wird.

 

Dabei geht Bergmann Misserfolgen (4.9.1997, 27. Mission seit Erstellung der „Tötungsprotokolle“ (von denen 20 Missionen erfolgreich verlaufen waren) mit dem Ziel der Ausschaltung eines eher unbedeutend wirkenden Mannes der Hisbollah im Libanon. Dies als tödliches Beispiel, wenn die Aufklärung des israelischen Geheimdienstes „versagte“ (samt der Gründe für solches „Versagen“, die Bergmann detailliert nachvollzieht).

 

Bis hin zu kühlen, erfolgreichen Missionen, die Bergmann schildert und immer wieder, wie im Falle der Regierungsübernahme durch Ehud Barak, der einerseits durchaus „den Frieden“ mit im Sinn hatte und doch den Realitäten gegenüber sich halbherzig beugen musste, bis Ariel Sharon bewusst eine Form der „Intifada“ auslöste, israelische Reservisten gelyncht wurden und, nach der Wahl Sharons, der „Schattenkrieg“ heftig wieder aufflammte.

 

 

Über 3000 „ausgeschaltete Zielobjekte“ stehen im Rahmen dieser „Geheimoperationen“, dem Schutz Israels „um jeden Preis“ im Raum. Und auch wenn Bergmann, verständlicherweise, nicht jedem einzelnen dieser Fälle im Buch Raum geben kann, das „Warum“, das „Wie“, das „Wer“ und was das bedeutet arbeitet her bestens heraus.

 

M.Lehmann-Pape 2018