C.Bertelsmann 2011
C.Bertelsmann 2011

Tillmann Bendikowski – Friedrich der Große

 

Preußen aufs Neue

 

Friedrich der Große ist eine der Gestalten der preußisch-deutschen Geschichte, die sicherlich mit am Breitesten in Wort und Bild „verewigt“ worden sind. Zahllose Biographien, Filme, Reportagen, Würdigungen, Ausstellungen sind im Lauf der Jahrzehnte, Jahrhunderte über ihn zusammen gekommen. Nun, im Angesicht seines 300. Geburtstages werden eine Reihe von Veröffentlichungen sich wiederum des Preußenkönigs annehmen.

 

Ob nicht doch schon alles gesagt ist? Nicht nur scheinbar nicht, denn es macht die Person Friedrichs ja gerade aus, dass er sich einer klaren Einordnung entzieht, dass sein Leben und seine Haltungen, vor allem aber seine geschichtliche Rezeption viele Facetten aufzuweisen hat, die immer wieder einer näheren Betrachtung wert sind. Obwohl auch Bendikowski auf seinen (gerade mal) gut 280 Seiten natürlich kein umfassendes und alles einbringendes Bild des Königs vor Augen zu führen vermag, finden sich in dieser neuen Biographie des Journalisten und Historikers doch einige interessante Kapitel über jenen Friedrich, der „das Publikum immer noch in seinen Bann (schlägt), weil er polarisiert“.

 

Jene Polarisation ist es auch, der Bendikowski gut die Hälfte der Biographie widmet. Wie Friedrich als Denkmal Preußens schon zu Lebzeiten, vor allem aber kurz nach seinem Tod installiert wird. Wie Hitler sich des Nimbus „des Großen Preußen“ bedient und Symbolträchtig in seine eigene, mythische Geschichtsdarstellung einbindet. Wie Friedrich „den Sozialismus reitet“ (eher wohl von den Oberen der ehemaligen DDR „geritten wird“). Und natürlich, wie mit Friedrich auf der anderen Seite der Mauer, in der alten Bundesrepublik, Umgang gepflegt wurde („Friedrich den Großen zu feiern? Unmöglich heute“ (Zitat Friedrich Meinecke von 1948 im Buch). Der Versuch, in der geschichtlich offiziellen Betrachtung der Bundesrepublik Friedrich zu „zähmen“ und damit nur in bestimmten Teilen darzustellen, um einen „bundesrepublikanischen König“ zu kreieren, ist im Buch durchaus anregend und interessant dargestellt, wie überhaupt die Schilderungen der „Vereinnahmungen“ zu den leicht lesbaren und anregenden Teilen des Buches gehören.

 

War aber denn nun Friedrich „ein Großer“ oder „nur der II.“ oder gar überhaupt überbewertet? Im letzten Kapitel wendet sich Bendikowski einer abschließenden Bewertung zu. Die, mit Verlaub, nicht abschließend letztlich ist. Natürlich stimmt es, dass die Nachfolger des Preußenkönigs ihm einen vorherrschenden Rang in der Geschichte nicht streitig machen können, aber Relativität macht ja kein absolutes „der Große“ aus. Höchstens einen „Größeren“. Und ob Fleiß, Disziplin und Durchhaltevermögen ein solches Alleinstellungsmerkmal darstellen, um eine Person in der Geschichte weit über den großen Rest zu erheben, darf auch bezweifelt werden. Die militärischen Erfolge haben durchaus bei nüchterner Betrachtung mit Glück zu tun (auch dies stellt Bendikowski heraus. Die Frage nach der „Größe“ des Preußenkönigs verbleibt somit ein wenig im Diffusen und wird weiterhin Gegenstand der Diskussion sein, je nach Bewertung und Standpunkt des Betrachters. Somit erhält Friedrich, dies legt Bendikowski überzeugend dar, seine „Größe“ letztlich aus dem Auge des Betrachters

 

Im Gesamten erzählt Bendikowski flüssig und verständlich, leger in der Sprache (und auch in seinen Betrachtungen) und legt den Schwerpunkt seiner Darstellung eher auf die geschichtliche Rezeption der Person denn auf die reine Lebensgeschichte (hier gerät einiges doch arg kurz und oberflächlich). Ein angenehm zu lesender Einstieg zur Person, kein unbedingt großer Wurf.

 

M.Lehmann-Pape 2011