Random House Audio 2011
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Dieter Hildebrandt – Ich kann doch auch nichts dafür

 

Der Altmeister frisch wie eh und je

 

Das Alter kann Dieter Hildebrandt in seiner Sprache, seiner bekannten Pointensetzung durch ein Ende des Satzes, das beim Anfang des Satzes noch nicht zu ahnen war, in seiner Bissigkeit gegenüber den handelnden Politikern und seiner nun bereits Jahrzehnte andauernden kritischen Begleitung des deutschen politischen Alltages rein gar nicht anhaben.

 

In Bestform präsentiert Hildebrandt sein, man mag es kaum glauben, erstes reines Soloprogramm. Bis dato in all seinen Jahren als politischer Kabarettist war Hildebrandt entweder Teil eines Ensembles (wie schon zu Beginn seiner Karriere) , zumindest aber jeweils von einem Mitstreiter umgeben.

 

Nun also „Hildebrandt pur“ 2010. Auf der Höhe der Zeit. Aktuell. Mit genau dem Blick für das Wesentliche eines Landes, in dem, wenn es darauf ankommt, nicht nur er, sondern keiner was für irgendwas kann. „Ich war es nicht“ ist wohl eine der beliebtesten Ausreden kleiner Kinder und hält sich, folgt man Hildebrandts teils fast süffisanten Ausführungen, bis ins hohe Alter hinein gerade bei der Gattung des homo politicus eine profunde Überlebensstrategie.

 

Keiner kann letztlich für irgendwas. Nichts für die Beutelung der großen Finanzpolitik, nichts  zu den Kriegsschauplätzen dieser Welt (und deren politischer Bewertung), nichts zu abdankenden Bundespräsidenten und nichts zu berufsunfähigen Politikern, die das einzige Biotop gefunden zu haben scheinen, in denen es ihnen zumindest gelingt, sich irgendwie zu gerieren. Und keiner jener, die Verantwortung tragen in diesem Land, wird von den kritischen Augen Hildebrandts verschont. Kaum ein Kabarettist versteht es wie Hildebrandt, in solch entlarvender, oft mit einer naiven und wörtlich nehmenden Betrachtung der inhaltslosen, politischen Sätze (Mit seiner Frau stundenlang nach vorne schauen, wie es seine Kanzlerin ihm auferlegt hat), den Kern des Problems zu treffen. Da, wo das Handeln und die Worte der Politiker selber schon als Persiflage gelten können, setzt Hildebrandt pointiert sein Messer an.

 

Eine Entwicklung der Verdummung, die durchaus beginnt, sich im Alltag allüberall widerzuspiegeln, wie Hildebrandt ebenfalls feststellt.

 

Konzentriert und dennoch im sprachlich versierten Plauderton verfolgt Hildebrandt unbarmherzig all die offenen Löcher im wichtigtuerischen Gewusel der Gegenwart und seziert mit Freude, woran es hapert. Ob es eine Lösung gibt? Das kann auch Hildebrandt letztendlich nicht aus dem Hut zaubern. Zumindest nicht in diesem Programm. Wohl aber all jenes zu Gemüte bringen, was auf keinen Fall eine Lösung bereit hält.

 

Ein sprachlich hervorragendes Programm, inhaltlich auf der Höhe der Zeit und in gewohnter Hildebrandt-Qualität vorgetragen.

 

M.Lehmann-Pape 2011