Edel 2015
Edel 2015

Mai Bostrom, Peter Throsboe – The Team

 

Intelligent, hart, gut besetzt

 

Kopenhagen, Berlin, Antwerpen.

 

Drei tote Prostituierte, dreimal ein Schuss durch das Auge, dreimal ein post mortem rabiat „abgerissener“ Finger.

 

Ein kleines Mädchen, die Tochter der Toten in Antwerpen, fragt nach der Wiederkehr ihrer Mutter.

 

Ein Bild wird gefunden, auf dem diese drei Frauen gemeinsam posieren. Und noch eine vierte, unbekannte Frau dazu.

 

Ein Vorgehen, eine Handschrift, die den ermittelnden Diensten nicht unbekannt vorkommt. Ein Mann, Enthüllungsjournalist, der an allen drei Tatorten Spuren hinterlassen hat und auf den sich daher die Ermittlungen zunächst hin ausrichten.

 

Aber bald schon wird deutlich, dass hier ein Spiel im Spiel hinter einem Spiel im Gange ist. Dass offenkundig Verdächtige scheinbar andere Motive hatten, dass der Mann, der als Krimineller hinter all de zu stecken scheint einer ist, der vielleicht schon selbst ein Fadenkreuz auf seinem Rücken trägt, ohne das zunächst zu bemerken.

 

Ein Ermittlerteam aus allen drei Ländern wird gebildet. Ein Team, das in sich bereits Brüche und Belastungen trägt. Sei es das Duo in Antwerpen, bei dem der eine die andere „im Blick zu halten hat“, sei es die Querverbindung zwischen Harald Bjorn aus Kopenhagen und Jackie Müller aus Berlin, die in früherer Zeit sehr nah aneinander geraten waren. Was ihren aktuellen Partnern vielleicht nicht passen würden und was bei der gemeinsamen Arbeit zu emotionalen Verwicklungen führen könnte.

 

Ermittler, die somit auch angreifbar sind. In ihrer Art, in ihrer Impulsivität, in ihrer Vergangenheit.

 

Das alles gepaart mit teils harter Action (in der Kälte der Schweizer Berge inklusive Waterboarding, in den Städten, bei den Ermittlungen) und mit einer durchgehenden Grundspannung, wer denn nun hinter diesen Morden und hinter dieser Gefahr steht (und wie sich das Netz der Gefahren reihum weiter zuziehen wird).

 

Dabei verbleibt die Inszenierung in dieser ungeschnittenen Fassung eher ruhig, setzt aber zu den rechten Zeitpunkten immer wieder spannungsreiche Momente und gefährliche Situationen, um im dazwischen liegenden, ruhigen Gang der Ermittlungen sich vor allem Zeit zu nehmen für die Protagonisten.

 

So erzeugt die Serie, trotz mancher Längen des zu ausführlichen Blicks auf die Personen der Ermittler selbst, einen stetigen Sog, beim Zuschauer, den Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Denn eines wird in der Entfaltung des Falles klar, irgendwo ganz hinten wird das Motiv persönlicher Rache zu finden sein. Die sich nicht aufhalten lassen will. Die in den dunklen Ecken Europas, im modernen Menschenhandel, in der „Auspressung“ und dem dann einfach Entsorgen junger Frauen ihren mörderischen Weg zieht.


M.Lehmann-Pape 2015