Foretaket 2012
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Markus Maria Sorge – Norwegen, das andere Land

 

Mentalität in Geschichten

 

Vier Geschichten sind es, die Markus Maria Sorge ausgewählt und „eingesprochen“ hat. Norwegische Geschichten, die, jede für sich, eine „Beleuchtung“ der norwegischen Mentalität in sich tragen und zum Hörer „transportieren“ soll. Begleitet und mitgestaltet durch die Musik Edvard Griegs, die durch Eva Knardal virtuos in Form von „Zwischenstücken“ und, zum Teil als Hintergrund, die Stimmungen in den Geschichten durchaus aufnimmt und verstärkt.

 

Das altbekannte Thema „Reich und Arm“ bildet das Fundament der ersten Geschichte, welche Alexander Kielland zum ausgehenden 19. Jahrhundert hin verfasste. Eine zwar sprachlich durchaus anregend formulierte Geschichte, die aber so rechte innere Spannung nicht aufkommen lässt und, in dieser Form, auch an vielen anderen Orten der Welt ihren Platz hätte haben können. “Nicht kleckern“ (sondern „klotzen“) ist das Thema der zweiten, weihnachtlichen Geschichte von Barbra Ring und hier bietet sich durchaus ein anderes Kaliber an Erzählung an. Wenn 7 Kinder im Blickpunkt stehen, die in kurzer Zeit zu Vollwaisen wurden und nun muss im Dorf entscheiden werden, was mit ihnen geschieht (während die Kinder selber fast schon desillusioniert untereinander „ausspielen“, welches der Geschwister wohl gut versorgt sein wird). Gegenseitiger Zusammenhalt, soziale Verantwortung, ein Herz füreinander haben müssen in einem kargen Land zu kargen Zeiten, hier drückt sich norwegische Prägung und Lebenswirklichkeit durchaus fassbar aus.

 

Fast schon mystisch wendet sich Jonas Lie in „Der Pfaffe von Brönnöysund“ den Fischern Norwegens zu und ihrem klaren, praktischen Verständnis vom Leben. Wenn ein Stiefel gefunden wird und klar ist, dass der Besitzer seinen Tod im Wasser gefunden hat, dann braucht es wohl doch selbstverständlich eine christliche Aussegnung. Was bedauerlicherweise der Pfarrer rein aus dem Intellekt und dem „Amt“ heraus mit einem einfachen Stiefel nicht machen kann. Doch die Fischer und der Tote selbst geben keine Ruhe. Eine Geschichte, die zeigt, dass es „das Leben“ eben vielfach besser weiß als „die abstrakte Bildung.

 

Bjornsons „Trond“ greift diesen Tenor noch einmal auf und lässt in der Geschichte die Nuancen knapper Kommunikation und eher „inneren“ Verstehens in den Raum treten eine Geschichte der „Andeutungen“, eben auch der Schwierigkeiten, in diesem wenig besiedelten Land, wo man an Nachbarschaft nehmen musste, was da war, „anders“ zu sein.

 

Mit leichten Abstrichen an der ersten Geschichte gelingt es in der Auswahl durchaus, wesentliche Elemente der norwegischen „Prägung“ darzustellen und prägnant zu schildern.

 

Markus Maria Sorge als Erzähler besitzt seine Stärken in der akzentuierten und gut verständlichen Vortragsweise, dies vor allem in den, überwiegend vorliegenden, ruhig Gestalteten und vorgetragenen Passsagen. Emphatische Szenen, Rollenwechsel, das Anliegen, Emotionen anders und verstärkt zum Ausdruck zu bringen führt allerdings hier und da zu einer übertrieben wirkenden Darstellung, hier wäre manches Mal weniger an „Lautstärke“ und „Schnelligkeit der Sprache“ weniger gewesen.

 

Alles in allem ein (mit leichten Abstrichen) weitgehend gut zu hörendes Hörbuch, dass in der Auswahl seiner Geschichten (bis auf die erste der vier Geschichten) das „andere Land Norwegen“ durchaus zu Gehör zu bringen versteht.

 

M.Lehmann-Pape 2012