DVA 2012
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Paul Celan – Mohn und Gedächtnis

 

Gedichte neu aufgelegt           

 

Erstmals bereits 1952 erschien dieser schmale Gedichtband, der erste von Paul Celan. Gedichte, die nicht im Gesamten, aber doch zu einem großen Teil die dunklen Erlebnisse seines Lebens widerspiegeln, die Gräuel der Zeit.

 

„Schwarze Milch in der Frühe wir trinken sie abends wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts wir trinken und trinken........ erschreibt es und tritt vor das Haus und blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei....“

 

Todesfuge, sicherlich das am meisten beachtete Gedicht Celans zu jener Zeit, in welchem er den Holocaust, das Leben im Konzentrationslager thematisiert steht für diese dunkle Seite der Welt, der Zeit, da wo gilt: „wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng“.

 

Celan, der mittlerweile in diesen Jahren in Paris Fuß gefasst hatte, summiert sein Erleben der Jahre von 1943/44 bis 1950, durchaus auch im persönlichen Sinne. „Wir waren tot und konnten atmen“ beschreibt auf den Punkt das innere Gefühl der Befreiung unter dem Titel „Erinnerung an Frankreich“.

 

Selten aber verirren sich solch positive, hoffnungsfrohe Gedanken in diese ersten Gedichte. Überwiegend melancholisch, erinnernd treten die lyrischen Texte in den Raum.

 

„Deiner Mutter Seele peitscht die Haie vor Dir her“ spricht on der im KZ ermordeten Mutter in „Der Reisekamerad“.

 

„Mache mich bitter. Zähle mich zu den Mandeln“, solche Verse sind es, in denen in komprimierter Form das Innere Celans erkennbar wird, sein Grundton konzentriert zu Tage tritt.

 

Keine einfachen Texte sind es, die Celan vorlegte, Bilder, die ergründet werden müssen, die teils sperrig im Raum stehen, so aber auch zu einer Entdeckungsreiseeinladen und ihre Wirkung entfalten können.

 

 

Ein gutes Drittel an Platz im Buch nimmt abschließend eine Rückschau durch Jan Bürger ein, der nicht nur erzählt, wie Paul Celan entdeckt wurde, sondern auch die Zeit kurz vor dessen Freitod in Paris 1970 kurz beleuchtet.

 

Gedichte der Trauer, des erschreckenden Erlebens mit kleinen Hoffnungsschimmern, die fast umgehend wieder mit in den Strudel des Dunkels gerissen werden samt einer kurzen Erläuterung zu Person und Werk lassen 70 Jahre später noch einem einen Zugang zu Paul Celan in bester Weise zu.