Monarda Publishing House Ltd., Bunuel Gründwald 2011
Monarda Publishing House Ltd., Bunuel Gründwald 2011

Peter Fricke – Begegnungen zur Weihnacht

 

Ein lyrisch-musikalisches Weihnachtsprogramm

 

„Das Ohr folgt lange den Pfaden der Sterne im Eis“. Und sehr, sehr ruhig folgt das Ohr diesen Pfaden, kann man sagen.

 

Denn eher Meditation und Innerlichkeit sind es, die dieses „Begegnungen zur Weihnacht“ kennzeichnen. Von Rilke zu Brahms, von Andersen, zu Bartok, Hesse, Brecht, Walser, vielfach sind die ausgewählten, teils schwer zugänglichen, bedeutungsschwangeren Texte, ebenso bedeutungsschwanger vorgetragen von Peter Fricke und Patrizia Orlando.

 

Nicht ungedingt nur Texte, die in direkter Form mit dem Weihnachtsfest korrespondieren (Rilke hat hier den konkretesten Weihnachtszugang mit „Maria Heimsuchung“, „Josephs Argwohn“ und „Geburt Christi“), sondern vielfach Texte, die mit dem Menschsein, der Weite des Schnees, der inneren Weite und Tiefe zu tun haben. Poetisch-lyrisch im Ausdruck. Diesen Texten korrespondieren im Wechsel musikalische Eindrücke. Auch hier von den vielfachen Komponisten die bedächtigen, langsamen Eindrücke aufnehmend.

 

Im Wechselspiel von Text und Musik und Vortragsweise ergibt sich im Gesamten eine Darbietung, die in Form und Inhalt als fast reine Meditation zu bezeichnen ist. Eine Form, die sicherlich nur dann zugänglich sich gestaltet, wenn der Hörer dieser äußerst ruhigen Form zuneigt. Ein Wechselspiel von Eindrücken, dass, recht betrachtet, weder gemeinsam gut genossen werden kann noch „nebenbei“ Eingang finden würde. Ein Audiobook, dass als Begleitung eines Autofahrens ebenso wenig geeignet ist, wie als Hintergrund für andere Tätigkeiten. Eine Kompilation, welche die volle Konzentration benötigt.

 

Eine Konzentration, die je nach persönlichem Geschmack nur gelingt oder gelingen mag. Vor allem die Vortragsweise der Text gleitet hier und da in solch hohem Maße in den Pathos ab, dass der Inhalt des jeweiligen Textes fast hinter die sprachliche Interpretation zurücktritt. Nicht immer zum Besten des Gesamten, das muss man konstatieren. Ein wenig mehr Dynamik, Abwechslung, Ausrufezeichen hätte nicht nur dem Werk, sondern vor allem im Blick auf den Hörer gut getan. Zu anstrengend wirkt nach einer kleinen Weile bereits der Hörakt.

 

In sich allerdings bietet das Audiobook ein geschlossenes Ganzes. Ineinander fließende Musik und Texte, menschliche Betrachtungen weihnachtlichen Geschehens und innerer Erlebniswelten.

 

Peter Fricke bietet mit seinen Gästen einen sehr speziellen Weihnachtseindruck, der in der Form und den hier und da sperrigen, lyrischen Texten nicht immer den „richtigen“ Ton trifft, um sich auf Text und Musik einlassen zu können. Dennoch gelingt das eigentlich gesetzte Ziel auf weite Strecken durchaus, die vorgetragenen sprachlichen Gedanken auch durch musikalische Gedanken ergänzen und durchfließen zu lassen. Ein Erleben, welches hohe Konzentration und hier und da auch echter Mühe beim Hörer bedarf. Kein Audiobook für „Zwischendurch“ und kein Versuch, der völlig zufrieden stellt. Aber in Teilen anrührend und nachdenklich stimmend.

Gerade zur   Weihnachtszeit hin, diesem „alten, zahmen Fest“, dass doch im Kern nie zahm sein wollte.

 

M.Lehmann-Pape 2011