Beltz 2011
Beltz 2011

Reinhard Kahl – Individualisierung

 

Eine ausführliche Dokumentation zur Individualisierung des Lernens

 

Zweigeteilt legt Reinhard Kahl seine Dokumentation vor, wobei der Schwerpunkt jene 25 kleinen Filme sind, die auf der DVD in mannigfaltiger Form, international, die Grundthese der Dokumentation beleuchten und erhärten. Ein Schwerpunkt, der im Begleitheft vertieft und theoretisch fundiert wird,

 

Es ist von hohem Vorteil, verschieden zu sein und dies zieht nach sich die Notwendigkeit einer Individualisierung des Lernens. Somit lässt sich der Untertitel der Dokumentation dahingehend aufschlüsseln, dass eine möglichst breit gefächerte, individuelle Lernbetreuung genau jenes „Geheimnis guter Schulen“ ausmacht, dass in den letzten Jahren gerade in der deutschen Bildungsdebatte so dringlich gelüftet werden will.

 

Gute Schulen, es gibt sie durchaus. In der Dokumentation stellt Kahl vieles an gelungenen und funktionierenden Modellen vor. Sehenswert der Ansatz der Max-Brauer-Schule in Hamburg, in der jeder „Chef“ ist.  Oder im sozialen Brennpunkt Dortmund-Nord die Grundschule „Kleine Kielstraße“ mit bester Atmosphäre, exzellenten Leistungen, einer Auszeichnung als „Beste Schule“ und das bei ca. 80% an Schülern mit Migrationshintergrund. „Viel Kultur“ ist hier die Schlüsselkompetenz, welche die Schule zu einer „guten Schule“ macht, mit Angeboten, die für die „Kinder maßgeschneidert sind“.

 

Auch die internationalen Einblicke, die Kahl in den Raum setzt (mit einem speziellen Blick auf Skandinavien) erhärten alle die Grundthese des Essays am Beginn des Begleitheftes. Kinder sind eigene Persönlichkeiten, einmalig und dort wird ein guter Unterricht, eine gute Schule mitsamt guter Leistungen gelingen, wo sich die Schule auf ihr Umfeld und auf ihre Schüler hin „individualisiert“.

 

Ein Prozess im Übrigen, der nicht an überbordendem Finanzbedarf oder utopischen Forderungen etwa nach „pro Kind ein Lehrer“ ausufert, sondern durchaus mit den vorhandenen „Hausmitteln“ und einer guten Portion Offenheit für die einzelnen Schüler und kreativem Denken ermöglicht wird.  So vielfältig und einfach erfolgreich sind die diversen Beispiele, die Kahl in seiner Dokumentation vereinigt, dass nicht von „Einzelfällen“ besonders geglückter oder motivierter Schulen gesprochen werden kann. Da, wo sich Pädagogen den individuellen Persönlichkeiten der Schüler zuwenden, sich auf diese einlassen und die schulischen Angebote mitsamt dem Unterricht individuell ausrichten, da entstehen „gute Schulen“.

 

„Jeder Mensch lernt anders“ und „Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Flammen, die entzündet werden wollen“ sind Grundmaximen der Dokumentation, die in bester Weise durch das empirische Material erhärtet werden.

 

Wenn dann noch eine Schule in Kanada „Problems are our friends“ sich zur Regel erhebt, dann wird vollends deutlich, dass es weniger um Strukturen, materielle Ausstattung oder Lehrpläne geht, wenn „gute Schulen“ entstehen sollen, dass das es einer Haltungsänderung in Richtung einer Individualisierung des Unterrichtes und des Umgangs mit den Schülern bedarf, um drängende Probleme im System Schule nachhaltig zu lösen.

 

Diese Dokumentation ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg und bietet eine Fülle von Beispielen und Ideen, wie Lernerfolg und individuelle Kompetenz als Ergebnis einer Schullaufbahn entstehen können.

 

M.Lehmann-Pape 2011