TYXart 2012
TYXart 2012

Werner Schneyder – „Ich bin konservativ“

 

„Wortbruch“ in bestem Sinne

 

1996 war es, als der Allrounder Werner Schneyder zum Bedauern all der Publikums-Weggefährten seiner intelligenten, charmanten und trotzdem immer präzise auf den Punkt treffenden Kabarett und Satire Auftritte, „von der Bühne“ abtrat.

 

2008 war es, als er doch noch einmal mit einem Programm vor das Publikum trat, mit immensem Erfolg. Und das völlig zu Recht. Denn was Schneyder gemeinsam mit seinem Pianisten Christoph Pauli über Banken, Krisenmanager, Chefetagen auszuhandeln hat, wie er aber auch den „modernen“ Arztbesuch bissig zu schildern versteht und dem „Herrn Gott“ ein wenig „die Leviten“ liest, das hat nichts von der alten Klasse und dem alten Biss verloren. Denn Schneyder „glaubt an Gott“. Umgekehrt ist er sich da nicht ganz so sicher. Und das stört ihn durchaus. Nicht nur der Papst.

 

Vom „Politmasochismus“ (eine Gesellschaftsordnung, die jene eben nicht verbieten kann, die sie absetzen wollen) bis hin zum Islam (da scheut Schneyder ebenfalls nicht die Kritik). Denn, wie er selbst nebenbei fallen lässt, er ist ja „nicht sprachbehindert“. Keineswegs!

 

Und der Schneyder-Kenner muss im Übrigen gar nicht erschrecken, wenn der 74jährige den Satz „Ich bin konservativ“ über sein Programm stellt. Im besten Sinne wirkt und redet Schneyder einem „Bewahren“ all dessen das Wort, was wichtig war und ist“, was die Gesellschaft zusammenhalten sollte. Und er tut dies eben in bester und bekannter Art, in dem er präzise und bestens pointiert jenes benennt, was sich zwar oft „konservativ“ nennt, die gewachsenen Wichtigkeiten und Werte aber „hintenrum“ nur ins Wanken bringt.

 

„Man muss diesen Leuten den Begriff wegnehmen“. So, wie es Schneyder sprachlich hervorragend im Programm gelingt.

 

Weder „altersmüde“ noch „altersmilde“ sondern frisch und unverbraucht bietet Werner Schneyder ein satirisches Kabarett der Extraklasse, dass auf 2 CD´s technisch einwandfrei nun vorliegt. Ein Hörerlebnis, dass (wieder einmal) schmerzlich bewusst macht, wie sehr politische Menschen „mit Geist“ in Kultur- und Medienlandschaft vermisst werden (Ausnahmen wie Hagen Rether, Volker Pispers und wenige andere einmal ausgenommen).

 

Ein Pogramm einfach auch, dass zeigt, was möglich ist, wenn intelligente Kritik an gegenwärtigen Problemen mit Biss und Verve satirisch-ironisch bestens vorgetragen werden.

 

„Ich bin konservativ“ ist ein hochwertiges Programm der „alten Schule“, in welchem Werner Schneyder all das in den Raum bringt, was ihn an Qualität, an Wortwitz, an Sprachbegabung und satirischem Biss immer schon ausgezeichnet hat. Gut, dass er „wortbrüchig“ geworden ist. Einer, der es gern hat, „wenn etwas was wert ist“.

 

M.Lehmann-Pape 2012