Klett-Cotta 2018
Klett-Cotta 2018

John Bude – Mord in Cornwall

 

Sprachlich und atmosphärisch ein Genuss

 

Genau passend zum gesamten Werk, das in bester Weise das Genre des klassischen britischen Kriminalromans vertritt, zeigt sich das letzte Kapitel als „Der Pfarrer erklärt“.

 

Jener Pfarrer jenes Dorfes in Cornwall an der Küste mit den steilen Klippen, der privat den leiblichen Genüssen und den Kriminalromanen umfassend zuzusprechen versteht und seinen „Lesepartner“, den Arzt des Dorfes, inzwischen weit übertrifft, was die deduktiven Fähigkeiten angeht, die Reverend Dodd von Artur Conan Doyle, Agatha Christie und den anderen Leuchten am Kriminalhimmel der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlernt hat.

 

1935 erschien dieser erste Kriminalroman von John Bude, dem etwa 30 weitere folgten, und in denen er die Verbindung von Landschaft (hier Cornwall), genügend Raum für eine intensive Betrachtung der Psychologie der Figuren und ein überzeugendes kriminalistisches Rätsel bestens ausbalanciert und sprachlich mit großem Wortschatz und sehr angenehmer, flüssiger Formulierung elegant umsetzt.

 

Ein Toter in einem Landhaus, zu dem auf allen vier Wegen die gleichen Fußspuren dreier Personen hin- und weg führen. Eine Nicht, die sich verdächtig verhält und nicht unbedingt überzeugend ihre „Laufwege“ zu Protokoll gibt. Angestellte, die von Streit zu berichten haben und ein, zunächst abwesender, Autor, der in der Person im Ort logiert und zu dem Ruth Tregarthan, die Nichte, eine gewisse Beziehung zu unterhalten scheint.

 

Doch mit einem „Verdacht auf den ersten Blick“ sollte man vorsichtig sein, auch wenn Bude die Lösung seines Falles nicht ganz so kompliziert anlegt, wie es Agatha Christie zu eigen war und nicht ganz so versteckt und teils unwahrscheinlich, wie es bei den Romanen um Sherlock Holmes anzutreffen ist.

 

Dennoch leitet Bude seine Leser klug und hintergründig durch die durch und durch britischen Verhaltensweisen seiner Protagonisten. Eine Art des Erzählens, die am Ende vom Pfarrer dem ermittelnden Inspektor gegenüber bestens in Worte gefasst wird:

 

„Darf ich noch sagen, dass es für mich eine großartige Bildung war, Ihre Methoden zu beobachten? Ihre Aufmerksamkeit und Menschlichkeit sind beträchtlich. Ihre Geduld…..erstaunlich!“.

 

S0 legt es Bude vor, so kann es der Leser genießen, mit überraschenden und dennoch dann in sich stimmigen Wendungen bei der Auflösung der Ereignisse (bis hin zum Tatort, der mit der Landschaft zusammenhängen wird) und einem genauen Blick für die lange Zeit festgefahrenen Ermittlungen, für die es eines guten Gedächtnisses bedarf, um die einzelnen Puzzleteile überhaupt zusammenzutragen.

 

 

Am Ende aber ist es eine reine Freude, dass durch Gedankenkraft und genaue Beobachtungsgabe ein kniffliger Mord gelöst wird und es dabei keiner High-Tech Ausrüstung bedarf, um den Leser zu fesseln, ihm die Figuren sehr nahe zu bringen und durchweg bestens zu unterhalten.