C.Bertelsmann 2018
C.Bertelsmann 2018

 

Achim Peters – Unsicherheit

 

 

 

Fundiert, überraschend, hilfreich

 

 

 

Seit Jahren beschäftigt sich der Lübecker Professor mit dem „Selfish Brain“, mit dem „selbstsüchtigen Gehirn“, das, zur eigenen Versorgung alle Schritte unternimmt, sei es auch, es geht auf Kosten der anderen Organe des Körpers. Ein Ansatz, den er bereits höchst erfolgreich und viel gelesen im Hinblick auf die Regulierung des Körpergewichtes und die Erforschung der Fettleibigkeit in Verbindung gebracht hat.

 

 

 

Doch auch Probleme mit dem eigenen Gewicht sind zunächst nur ein Symptom. Des inneren Stresses, der psychosozialen Verunsicherung, der Arbeit des Gehirns, sich selbst bestmöglich zu versorgen.

 

 

 

In seinem neuen Werk wird Peters noch ein Stück grundsätzlicher und wendet sich dem inneren „Gehirnzustand“ des Menschen zu, um Anregungen und Hinweise daraufhin zu geben, wie eine innere Balance, Ruhe und Sicherheit zu finden wäre in Zeiten, in denen die Unsicherheit als fast „Normalzustand“, zumindest in den industriell stark entwickelten Kulturen , bezeichnet werden kann.

 

 

 

Stress ist das Thema, das hinter solchen „Aggregatzuständen“ steckt, Stress macht, auf Dauer, Unsicherheit. Und anderes mehr, natürlich. Ein, vor allem „hochemotionaler Zustand“, der in gewissen Ausprägungen positive Spannungen hervorruft, der aber unschwer auch „toxisch“ werden kann, wie Peters zu Beginn ausführt. Einer „Vergiftung“, der Peters mit einer einfach zu verstehenden (aber aufgrund der Komplexität der vielfach unbewussten, evolutionär geprägten Impulse und Instinkte des Gehirns schwer zu beantwortende Frage) gegenübertritt:

 

 

 

„Welche meiner Strategiemöglichkeiten soll ich auswählen, um mein zukünftiges, physisches, mentales und soziales Wohlbefinden sicherzustellen“?

 

 

 

Wozu natürlich auch gehört, sich zunächst einmal der möglichen Gegenstrategien zu vergegenwärtigen, um dann deren Anwendung zu klären und einzuüben. Was Peters ebenso in Ruhe vor Augen führt, wie die Ursachen des Stresses, die „evolutionäre Denkweise des Gehirns“ und Strategien des Organismus gegen den Stress. Die Klärung und Lösung der Ursachen als Priorität, die „Habituation“ als unbewusster Vorgang als weitere Möglichkeit der Anpassung und, nicht selten damit einhergehend, wenn die Ursachen nicht gelöst werden können, eine „Revision der Zielerwartungen“ (eine Vergrößerung der möglichen akzeptablen Zielszustünde).

 


Was Peters dabei vor allem mit dem Buch leistet, ist eine sachliche, verständliche und fundierte Erläuterung ebenjener meist unbewusster Vorgänge, die der Leser dann reflektierend an sich selbst überprüfen kann. Um sich der Frage, wie ein Gefühl der Sicherheit herzustellen sein könnte („Zustand, frei von unvertretbaren Risiken), ohne sich umgehend hinter Mauern einzuschließen. Was überaus eng mit der „gefühlten Sicherheit“ zusammenhängt, wie Peters ausführt und am Ende stark mit „verlässlicher Wahrnehmung“ und „autonomem Handeln“ verbunden sein wird.

 

 

 

Eine anregende, fundierte, verständliche, teils überraschende Lektüre über die „Untiefen des Gehirns“, verbunden mit wertvollen Hinweisen, die eigenen Unsicherheiten kreativ und konstruktiv zu verringern.

 

M.Lehmann-Pape 2018