Droemer 2016
Droemer 2016

Adam Grant – Non-Konformisten

 

Mit einigen Wiederholungen, aber sehr hilfreich für die Praxis

 

Beide Motivationen stecken im Menschen. Zum einen die Suche nach Zugehörigkeit, Teil einer Gruppe zu sein und zum anderen den eigenen Ideen zu folgen, die eigene Individualität in das Leben zu setzen.

 

So entsteht immer wieder Reibung zwischen den Normen und Ansprüchen der Mehrheit einer Gruppe, eines Arbeitsumfeldes, einer Gesellschaft (oder was man dafür hält), dem Anpassungsdruck einerseits und den eigenen Ideen, Vorlieben, Interessen, auch der eigenen Kritik an dem „wie es immer gemacht wird“, „weil es immer so gemacht wurde“, der Non-Konformität.

 

Dass in der Gesellschaft eher von Beginn an (Kindergarten-Schule-Ausbildung-Arbeit-Umfeld) auf Anpassung ausgerichtet wird ist sicherlich kein Geheimnis. Zwar steht im Raum, individuelle Fähigkeiten zu fördern, dies wird aber weitestgehend nur in jenem Rahmen sanktioniert, in dem die individuellen Fertigkeiten aus Sicht der Bewertungsinstanz konstruktiv das Gesamtbild ergänzen. Ansonsten werden solche stark individuellen Ausprägungen gerne und häufig als „Störung“ gekennzeichnet und entsprechend behandelt.

 

Den Wert solcher Störungen und der „Störer“ nun legt Adam Grant in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen und schafft eine anregende, vielfältige und, vor allem, für „Entscheider“ und „Kollegen“ ebenso eine nachdenkenswerte Lektüre, wie er breite Hilfestellungen für Non-Konformisten anbietet.

 

Wie bei amerikanischen Sachautoren fast durchweg üblich verknüpft Grant dabei seine Grundgedanken mit vielen konkreten Beispielen, folgt so z.B. einer Nachwuchs CIA-Agentin „durch die Instanzen“ mit ihren (noch) wenig angepasst erscheinenden Ideen, wie er für jedes der wichtigen Felder der Umsetzung non-konformistischer Haltungen konkrete Personen vor Augen führt und damit seine Aussagen sehr griffig setzt.

 

Der „Gang durch die Instanzen“, der auch in Deutschland als Begriff seine Prägung gefunden hat, ist es letztendlich, den Grant als eine Art Ausgleich zwischen Anpassung und ganz eigene Wege gehen setzt.

 

Die eigenen Ideen wertschätzen, aber auch darauf achten, ob und wann das Umfeld bereit für solche Ideen ist (was alleine schon in der Hackordnung von Unternehmen ei9ne ganze Weile dauert).

Dabei unterscheiden lernen, was inhaltliche Gegenargumente sind und was einfach der „falsche Ort zur falschen Zeit“ sein könnte. Die Augen aufhalten für jene, die „Förderer“ werden könnten, entschärfen von Situationen, in denen es gar nicht um Inhalte, sondern um Ängste, Revierverhalten oder den „falschen Ton“ nur geht.

 

Grundlegend stellt Grant klar (und das wiederholt sich durch das gesamte Buch: Nur mit Konformisten ist ein Fortschritt, eine Weiter-Entwicklung kaum möglich. Das menschliche Sicherheitsdenken neigt zu stark dazu, bewährte (nicht-schmerzende) Handlungen und Wege beizubehalten und das „Unbekannte“ als „Risiko“ zunächst zu fürchten und abzulehnen, der Gefahr des Scheiterns damit (vordergründig und kurzfristig) aus dem Weg zu gehen.

 

Neue Ideen aber sind es, die ein Projekt, ein Unternehmen, manchmal die gesamte soziale Gruppe erst zu neuen Gedanken und Entwicklungsschritten antreiben. Wichtig für Non-Konformisten ist es, um diesen Wert des eigenen „Anders Seins oder Anders Denkens“ zu wissen ohne gleich in der Methode mit dem Kopf durch jede Wand zu wollen.

 

Es braucht Mut, seine Meinung zu sagen. Es braucht auch Sozial-Kompetenz, die eigene Meinung so zu sagen, dass andere nicht sofort auf Angriff schalten. Es braucht Durchhaltevermögen die Einsicht, Bündnisse zu schmieden. Und ebenso sollte „der anderen Seite“ klar sein, dass ein „Advocatus diaboli“ mehr zum Gelingen eines Projektes zu bieten hat als die Vielzahl der professionellen Abnicker, auf die man in der Regel trifft.

 

Grant setzt den Wert der Non-Konformisten klar in den Raum, bietet eine Vielzahl praktischer Strategien sehr lehrreich dar und macht allen Seiten Mut, Reibungen auch auszuhalten, so fremd man sich selber fühlen mag oder so befremdend einem das Verhalten eines anderen auch vorkommen mag.

 

 

Dies wird Grant nicht müde, immer neu zu erläutern. Was das Buch ein wenig vorhersehbar macht, dafür aber die Grundgedanken am Ende klar eingeprägt hat.

 

M.Lehmann-Pape 2016