Thorbecke 2011
Thorbecke 2011

Alexandra Medwedeff, Juliana Neumann – Jahreszeitenküche frisch vom Markt

 

Saisonal und nachhaltig

 

Zwei ausgesprochene Ziele (und ein beim Lesen erkennbares) verfolgt dieses Kochbuch im Reigen der vielfachen und immer wieder neu erscheinenden Bücher zum Thema.

 

Zunächst legen die Autorinnen wert auf den , durchaus zur Zeit breit in Mode geratenen, Begriff der Nachhaltigkeit, hier nun auch in Bezug auf das Kochen. Eine Tendenz zum Slow Food, zur Abkehr von Fertigprodukten und Fast Food nehmen die Autorinnen dabei wahr und bemühen sich nun (durchaus erfolgreich), dies zu verbinden mit einer regionalen und den Jahreszeiten angemessenen Küche. Diese Jahreszeitenbetrachtung ist das zweite, offenkundige Zeil des Buches. Beim lesen fällt sodann der dritte Impuls auf. Feine Küche ist es, die hier im Blick steht. Wer beim Titel an handfeste Hausmannsgerichte dachte, jeweils zur Zeit vom benachbarten Acker geholt, der täuscht sich. Jede Jahreszeit ist mit nicht alltäglichen Gerichten angereichert (auch wenn Bärlauchsuppe mittlerweile eine gewisse Verbreitung erfahren hat, Durchschnitt ist das noch lange nicht).

 

In sich ist die Ordnung nach Vorspeisen, Suppen, vegetarischen Hauptgerichten, besonderen Fleisch- und Fischrezepten und Nachspeisen zu erkennen. Mit Produkten, die in der überwiegenden Mehrzahl tatsächlich regional erhältlich sind oder, mit wenig Belastungen für die Umwelt, weit verbreitet vorliegen (wie der Parmesan).

 

Durch die Vielfalt ausgeklügelter Rezepte ergibt das Buch auch für den anspruchsvollen Genießer und Koch eine Reihe von anregenden Impulsen und wirkt auf keiner Seite langweilig.

 

Besonders herauszuheben sind zwei kleine, im hinteren Teil des Buches eher unscheinbare Tabellen, denn dort wird, farblich abgesetzt und mit einem Blick einfach erkennbar, die jeweilige Haupterntezeit vielfacher Gemüse- und Obstsorten vor Augen geführt, die ein schnelle und einfach Orientierung darüber erlauben, was gerade frisch geerntet wird, was gerade im Rahmen einer tolerierbaren Lagerung noch gut und umweltschonend gekauft werden kann und was zwar angeboten wird, doch aufgrund der Jahreszeit mindestens eine halbe Weltreise hinter sich gebracht haben muss.

 

So schärft das Buch auch den Blick des Konsumenten für eine nachhaltige und regional orientierte Lebensmittelerzeugung, ohne auf interessante Feinheiten bei den Rezepten verzichten zu müssen.

 

M.Lehmann-Pape 2011