wbv 2010
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Andreas Guthmann u.a. (Hersg.) – Christen und Muslime – ein theologischer Einführungskurs in 5 Etappen

 

Wissen statt Polemik

 

In der aktuell ausgebrochenen, seit Jahrzehnten aber bereits schwelenden Integrationsdebatte setz dieses Arbeitsheft einen wohltuenden und ganz hervorragenden Impuls der Fakten und des Wissens inmitten stammtischgeschwängerter Hetze und von maximal Halbwissen getragener Wortbeiträge.

 

Ziel des Einführungskurses ist es, den Dialog zwischen Islam und Christentum, Muslimen und Christen auf einen tragfähigen Boiden zu stellen und hierzu im Detail genau einerseits die Religion darzustellen und andererseits jene Schnittpunkte zu benennen, von denen aus ein fruchtbarer Dialog beginnen kann. Hierzu liefert das Heft einen didaktisch hervorragend aufbereiteten Weg mitsamt einer Reihe einfach und gut benutzbarer Arbeitsmaterialien, Gesprächsanregungen und Folien. Abgerundet wird das Heft durch eine beiliegende CD-Rom, auf der alle Arbeitsmaterialien noch einmal in digitaler Form vorliegen.

 

Ausgehend von der theologischen Grunderkenntnis, dass nicht nur Religion, sondern das gesamte menschlichen  Leben dialogisch angelegt ist und einer Darstellung des didaktischen Leitfadens mitsamt einem aussagekräftigen Literaturverzeichnis, stellen die Herausgeber ihren Weg des Dialoges in fünf Etappen ausführlich als Arbeitsvorgabe dar.

 

In der ersten Einheit, wie die weitere auch geprägt von einer klaren Einführung, Impulsgebenden Folien und Bildern und vertiefenden Texten und Interviews, steht das Thema „Begegnung und Erkennen“ im Mittelpunkt. Die zweite Kurseinheit wendet sich den Basics zu, Glaube du Glaubensbekenntnis in Islam und Christentum werden, teils auch aus der ganz praktischen Sicht ganz normaler Menschen wie eines Taxifahrers, vorgestellt und auf ihre dialogischen Elemente hin betrachtet bist hin zu Möglichkeiten des gemeinsamen Gebets. Im dritten Teil steht die Offenbarung im Blickpunkt, einer der Orte starker Reibung, auch innerhalb des Islam übrigens, denn die Beharrung auf wortwörtlicher Geltung allein des arabischen Islam ist natürlich eine Einengung für jeden Dialogversuch. Grenzen, die der Kurs nicht verschweigt und in wohltuender Wiese auch nebeneinander stehen lassen kann, ohne das Ziel des Dialoges aus den Augen zu verlieren. Im vierten Kursteil rückt die Verflechtung von Religion und Politik in beiden Weltreligionen in den Blick. Sicherlich eines der Themen, das im Blick auf den Islam geballten Zündstoff in sich trägt. Zündstoff, der in sachlich nüchterner Form unaufgeregt aufgenommen wird und weder die Frage des Kreuzes noch der Verhüllung weiblicher Formen ausspart. Die letzte Kurseinheit rückt den Menschen in den Mittelpunkt des Interesses und sein Verhältnis zu Gott in beiden Religionen. Beginnende bei den diversen Schöpfungsmythen endet diese Einheit und damit der gesamte Kurs mit einer prägnanten und immer noch offenen Frage: Sind Christen und Muslime gemeinsam auf dem Weg zum Paradies?

 

In der Gesamtschau bietet der Kurs vor allem eine Vermittlung von Wissen übereinander. Bewertungen liegen in diesem Kurs eher fern und das ist gut so, denn zunächst geht es um eine grundlegende Form der Begegnung, in der jeweils der andere erkannt werden kann. Theologisch fundiert ausgearbeitet bietet der Kurs in seinen fünf praktischen Einheiten und seiner Fülle von Material möglichen Teilnehmern ein fundiertes Wissen vom jeweils anderen, das alleine schon eine Reihe von Vorurteilen aufzulösen vermag. Auf der Basis dieses Wissens voneinander liegen in den einzelnen Kursabschnitten weitergehende und Gesprächs eröffnende Fragen und Impulse, die dem theologischen und didaktischen Ansatz der Autoren entsprechen.

 

Ein wichtiger und praktisch leicht durch zu führender Arbeitskurs, der das Wissen voneinander und übereinander in den Raum bringt und somit an ausgewählten Stellen einen gehaltvollen Dialog zu eröffnen vermag. Einen Dialog, zu dem die Arbeitsweise des Kurses auch eine entsprechend offene Atmosphäre schaffen kann. Nicht nur für die Arbeit in der Gemeinde oder der Moschee nutzbar, sondern in Auszügen an Schulen und in Bildungseinrichtungen eine wertvolle Hilfe.

 

M.Lehmann-Pape 2010