Ev. Akademie 2015
Ev. Akademie 2015

Andreas Lösch, Frank Vogelsang (Hg.) – Wissenschaft und die Frage nach Gott

 

Von der Erkenntnis und der Frage nach dem Sinn des Lebens

 

Auch der Naturwissenschaft verbundene Forscher können bekennende Christen sein. Was immer wieder auch ins Bewusstsein gerückt werden sollte, denn die alte, vorurteilsvolle Vorstellung, dass dafür der „Wissenschaftskittel“ zunächst an den Nagel gehängt werden muss, bevor der „private Glaube“ dann gelebte werden kann, rekurriert auf die Vorstellung, dass beides zusammen nicht geht, Glauben und naturwissenschaftliche Erkenntnisse überein zu bekommen in der eigenen Person.

 

„Sie wissen doch so viel, sie müssen doch nicht glauben“ ist dann jene Formulierung, in welchen sich die Vorbehalte ausdrücken.

 

Aber widersprechen sich Glaube und Wissen? Oder ergänzen sich beide? Oder laufen beide in tatsächlich strikt getrennten Welten nebeneinander her? Klar ist, dass die Frage nach dem persönlichen Sinn des Lebens und jener nach den elementaren Bestandteilen des Universums nicht unbedingt miteinander in Verbindung stehen und zwei völlig verschiedene Fragestellungen im Menschen betreffen. Klar ist aber auch, dass tradierte, dingliche Vorstellungen des Glaubens („Gott wohnt hinter dem Saturn“. „Gottes Himmel ist das sichtbare Firmament“) so seit Langem bereits nicht mehr zu halten sind.

 

Und dennoch sind auch Verbindungen möglich. Kann es geschehen, dass aus der physikalischen Sicht und technischen Erforschung des Universums sich dem Forschenden erst die große Schönheit und, vor allem, die ungeheure Unwahrscheinlichkeit der Entwicklung des Lebens und der Erde erschließt.

 

„….dass sich das Universum eine Menge Arbeit gemacht hat mit unserem kleinen, blauen Planeten“. So stimmt es durchaus in nicht wenigen Fällen, dass die naturwissenschaftliche Sicht auf das Universum und die Erde Voraussetzungen liefern kann, sich an ein „Höheres“, „Größeres“ „zurückzubinden“ („Religio“).

 

Dieser Sammelband berichtet von dieser Verbindung „zwischen den Welten“ und dokumentiert in Ausschnitten das Ansinnen, „Religion und Wissenschaft“ miteinander ins Gespräch zu bringen.

 

Wobei gerade die Beträge im Buch über „Evolution und Schöpfung“, die nichts mit „Design-Theorien“ oder anderen gezwungenen Verbindungen beider Vorstelljungen zu tun haben, erhellende Impulse in sich tragen.

 

Wie wäre denn die Idee, dass „die Gottheit“ eben durchaus in der Lage ist, ihre schöpferischen Absichten durch „natürliche“ Ursachen zu erreichen und dabei gewahr zu werden, dass „natürliche Ursachen“ eben in sich logisch innerhalb eines konkreten Systems mit konkreten „Spielregeln“ vorliegen, die Frage nach dem System als solches damit aber noch nicht geklärt und beantwortet ist?

 

Wie absolut unwahrscheinlich letztlich die Entstehung des Lebens ist, das liest sich heraus aus den Beiträgen im Werk und lässt den Leser nachdenklich zurück ob der Frage, ob das alles nur Zufall sein kann, das es das „überhaupt gibt“.

 

Bis dahin, Einsteins „Gottesbrief“ und damit die religiöse Vorstellung Einsteins näher in den Blick zu nehmen und bei der Quantentheorie, neben die vielen Einzelheiten, sich der „Obersatz“ herauskristallisiert, „dass die Wirklichkeit überraschend ist“. Und das im grundsätzlichen Sinne von „Überraschungen“.

 

Seriös und mit Ernst verfolgen die Autoren im Buch ihre jeweiligen Themen und bieten erhellende Erkenntnisse und durchaus manche Überraschungen für den unbefangenen Leser. Und das in einer und zu einer Zeit, in der eine Art Wegescheide für die zukünftige Entfaltung des Menschen vorzuliegen scheint und dabei religiöse Grundsätze für Entscheidungsfindungen mehr und mehr aus dem Blick geraden.

 

 

Eine interessante und zur Reflexion anhaltende Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2017