Riemann 2013
Riemann 2013

Andrew Zolli, Ann Marie Healy – Die 5 Geheimnisse der Überlebenskünstler

 

Sehr flüssig zu lesendes Plädoyer für Resilienz

 

„ ...  in einem komplexen System gibt es natürlich keine einfachen Lösungen“.

 

Wenn man aber die vielfach miteinander verbundenen und einander beeinflussenden Dinge eines Systems nicht bis in Letzte zu durchgrübeln gedenkt, sondern eine notwendige Lösung vor allem pragmatisch in bestimmter Haltung angeht, dann ist man durchaus bereits auf einem guten Weg zur Problemlösung.

 

Denn es ist so, auf diese Erfahrung rekurrieren Zolli und Healy, dass ein System noch so gut „laufen kann“, der Versuch der Kontrolle noch so gut geplant und durchdacht durchgeführt wird, es „kann immer etwas passieren“. Oft unvorhergesehen natürlich.

 

Sei es im persönlichen Leben, sei es in betrieblichen Abläufen, sei es in noch so gut getesteter Technik. Dinge kommen durcheinander. Und ebenso oft stehen die beteiligten Menschen diesem krisenhaften  „Störfall“ unvorbereitet und hilflos gegenüber. Unter Entfaltung einiger „Grundtechniken“ aber kann dem (wenn man zum „Umlernen“ bereit ist) gut entgegentreten werden.

 

Mit (zunächst) fünf Regeln und auf der Grundlage eben des Wissens um die „Störanfälligkeit“ des Lebens, der man eigentlich nur mit „Resilienz“ erfolgreich begegnen kann.

Nicht eine konkrete Vorbereitung ist damit gemeint, nicht ein „für alle Fälle gewappnet sein“, auch nicht eine Beruhigung a la „wird schon gut gehen“, sondern gerade die innere Befreiung und Entwicklung hin zu einer Entwicklungsoffenheit und Handlungsfähigkeit auch auf „unbekanntem Gebiet“.

 

Wer sich bis hier bereits sehr stark an andere Werke wie „Antifragilität“ von Taleb oder „Resilienz“ von Berndt erinnert fühlt, der liegt genau richtig. Ebenso wie die beiden genannten Autoren (und noch so manche mehr),  wenden sich Zolli und Healy dem Thema der Resilienz zu. Und fügen, auch das sei vermerkt, gerade den beiden genannten Werken inhaltlich kaum wesentlich Neues hinzu.

 

Allerdings vertiefen Zolli und Healy den Begriff der Resilienz anhand vieler sehr eingängiger und ausführlicher Beispiele. Teilweise sogar zu sehr und zu breit, was die ständige kleinteilige Darstellung von Fallbeispielen im Buch angeht, die auch ihre Längen für den Leser in sich trägt. Wer aber hätte schon geahnt, dass die Erstellung einer Zuckerfabrik solche vielfältigen Mühen machen kann, soviel daneben gehen kann und doch sehr pragmatisch und mit klarer Linie dann auf den Weg gebracht werden kann?

 

Eine Illustration dessen, was mit „Resilienz“ gemeint ist, die in Stil und Inhalt sehr flüssig zu lesen ist und durchaus ebenso unterhaltsam im Buch vorliegt.

 

Gefolgt von einer Konkretisierung, die manch andere Werke zum Thema noch einmal konkretisiert und fassbar beleuchtet.

 

 Dass es „effektive Feedback Techniken“ braucht, die Möglichkeit, sich „dynamisch anzupassen“, die Kraft zur „Entkoppelung“, so nötig, die Möglichkeit, „einfach“ und „modular“ zu denken, um dann eine „Zusammenballung“ von Ressourcen in sich herbeizuführen, all das und vieles mehr führen die Autoren sehr breit aus, wobei nach der Lektüre deutlich wird, dass gerade die „Zusammenballung“ wohl eine der Kernkompetenzen bei der (praktischen) Bewältigung von Krisen darstellt.

 

Wer andere Bücher zum Thema bereits gelesen hat, wird hier nicht auf viel Neues stoßen, aber das ein oder andere der „Resilienz“ sehr umfassend praktisch und strukturiert erläutert bekommen.

 

M.Lehmann-Pape 2013