Klett 2014
Klett 2014

Angelo Bolaffi – Deutsches Herz

 

Für ein deutsches Vorangehen mit Gründen!

 

Als hervorragender Kenner Deutschlands ist Deutschland, im speziellen das deutsch-italienische Verhältnis, seit langem bereits einer der Schwerpunkte der Arbeit des Politologen Angelo Bolaffi.

 

In einer Zeit der inneren Neuordnung Europas, des Schwankens des Konstrukts der europäischen Gemeinschaft und der gemeinsamen Währung scheint es, als wäre das Verhältnis der europäischen Nachbarn zu Deutschland (immer noch) gespalten, so wie der Deutschen zu sich selbst in ihrer Rolle in Europa.

 

Einerseits die stärkste Volkswirtschaft, der größte Nettozahler in den gemeinsamen Topf, der wirtschaftlichen „Lokomotive“, andererseits ein sich  Verwehren gegen eine deutsche politische und wirtschaftliche Dominanz, ein Aufbegehren gegen deutsche „Sparpläne“ und doch immer wieder die Inanspruchnahme der finanziellen und wirtschaftlichen Kraft des Landes.

 

Mit einer Mischung aus „Feindseligkeit und Neid“, aber doch sich nicht lösen könnend und wollend, so schaut der „Rest Europas“ auf Deutschland, wie es Bolaffi ausdrückt.

 

Eine „Germanophobie“ und eine „Dämonisierung“ macht Bolaffi in Europa aus, der er, leidenschaftlich argumentiert, den Zahn zu ziehen gedenkt.

 

Ebenso wie der „innerdeutschen“ ambivalenten Diskussion.

 

Und von innen betrachtet ebenso die Bereitschaft, einen breiten Beitrag zu Europa zu leisten und doch immer mehr die Sinnfrage dessen in der öffentlichen Diskussion laut werden zu lassen und eine, geschichtlich wohl begründete, Scheu vor zu „starkem“ Auftreten.

 

Eine schwierige und konfliktträchtige Gemengelage, die ihre Gründe hat (in der weiteren Geschichte, die Bolaffi hervorragend darstellt und in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte, Bolaffi benennt beredt und klar argumentiert den „Geburtsfehler“ des Euro, der ohne politische Union weitaus mehr negative als positive Folgen dauerhaft nach sich zieht).

 

Für Deutschland ist Europa von existenziellem Interesse. Zum einen, Für Europa ist Deutschland der wichtigste Baustein, das zum anderen. Diese beiden Klarheiten setzt Bolaffi fundiert in den Rahmen seines Buches und kommt ebenso klar und prägnant zum Schluss, dass eine politische Union von ebenso existenzieller Bedeutung ist. Allein schon (aber bei weitem nicht nur), um der Erpressbarkeit durch die Finanzindustrie mit Kraft und Aussichten auf Erfolg endlich gegenübertreten zu können.

 

Auch aus der Geschichte heraus erwächst Deutschland in den Augen Bolaffis eben nicht die Rolle des „demütigen“, der sich „hinten anstellen muss“, sondern eben aus der geschichtlichen Verantwortung heraus hat Deutschland die Aufgabe, Europa intensiv voran zu bringen und dabei nicht nur eine, sondern die führende Rolle zu übernehmen.

 

Bis hin zum erstaunlichen Fazit (aus dem Mund eines fundiert informierten Italieners), dass es um ein „deutsches Europa“ zu gehen hat und gehen wird, wenn das Konstrukt Europa eine Zukunft haben soll.

 

„Die Geschichte fängt nicht wirklich wieder von vorne an“. Sondern neue Verhältnisse bedürfen einer neuen Sicht. Angela Merkel mit Schnurbart darzustellen, kennzeichnet Bolaffi so zurecht als reine Polemik und als Trick, um der Wahrheit nicht ins Gesicht schauen zu müssen. Gezielte Tricks, sozusagen, die nur jenen nutzen, die sich auf Kosten der Allgemeinheit alleine die Taschen vollzuschaufeln gedenken.

 

 

Klar, prägnant, lesenswert und lesenswichtig, dieses Buch kommt hoffentlich noch zur rechten Zeit und wird an entscheidenden Stellen gründlich studiert.

 

M.Lehmann-Pape 2014