wbv 2014
wbv 2014

Baden Württemberg Stiftung – Gleichartig – aber anderswertig

 

Perspektiven der Fachhochschulen im deutschen Bildungssystem

 

Einiges hat sich in der Hochschullandschaft in den letzten Jahren bereits gravierend verändert, vieles ist weiterhin im Wandel.

Veränderungen, die gerade im Bereich der Fachhochschulen angesetzt haben, welche mehr und mehr vollwertige, wissenschaftlichen  Studiengängen entwickeln, die in großer Differenzierung in dieser Entwicklung gerade aber auch spezifische Fachausrichtungen und Berufsausbildungen „im Angebot“ haben.

 

„Hochschulen für angewandte Wissenschaften“ ist eine Baden Württembergische Chiffre, welche  diesem Prozess Rechnung trägt, die sehr gut die beiden Kompetenzen moderner Fachhochschulen in Deutschland benennt und damit auch die Abgrenzung zur Hochschule verdeutlicht.

 

Die Reflektion dieser Veränderung und die daraus folgenden Prognosen für die Zukunft waren Thema der Konferenz „Gleichartig – aber anderswertig“, deren Ergebnisse in diesem Band zusammengefasst nun vorliegen.

 

Beide Hochschularten in Deutschland bieten im Rahmen des Bologna-Prozesses mehr und mehr „gleichwertige“ Ausbildungen an. Bachelor- und Masterstudiengänge finden sich, allerdings durchaus in noch erkennbarer anderer Struktur  an Fachhochschulen und Hochschulen wieder. Allerdings nähern sich im Zuge der Abschlussähnlichkeiten auch die Strukturen an. Fachhochschulen werden im Ansatz „weniger verschult“ während an Hochschulen mehr „vorgegebene Strukturen“ Einzug halten.

 

In Bezug auf finanzielle Ausstattung, Drittmittelfinanzierung, vor allem aber beim Fächerspektrum und im Blick auf das Promotionsrecht lassen sich dennoch weiterhin klare Unterschiede benennen, die im Buch sorgsam differenziert dargelegt werden.

 

Welche Spezifika lassen sich im Blick auf Fachhochschulen herausarbeiten und wie wird sich die Zukunft dieses Bildungsträgers gestalten? Fragen, denen die Autoren im Buch ebenso nachgehen, wie sie die Sicht von Studierenden zu Worte kommen lässt.

 

Sehr interessant zu lesen für diesen Entwicklungsprozess sind die Einlassungen zum Thema:“Weshalb ich mein Hochschulstudium an einer Fachhochschule beendete“.

Ein guter Einstieg in das Buch, denn in diesem Kapitel tauchen die Strukturen, die Ähnlichkeiten, aber auch die noch gewichtigen Unterschiede beider Hochschulformen komprimiert vor den Augen des Lesers auf, die dann durch die vielfachen anderen Darlegungen im Buch differenziert bewertet werden können.

 

Wie auch von Bedeutung gerade für die Perspektive der Fachhochschule ist, dass, weiter wichtiger werdend, hier im Bereich der „angewandten Wissenschaft“  auch die wohl wichtigste Bildungsressource des deutschen Mittelstandes vorliegt.

 

Unsicherheiten über den Bologna Prozess für die Wirtschaft „aus dem Weg zu räumen“ ist daher eine zentrale Aufgabe für die naheliegende Zukunft der Fachhochschulen und deren akademischen Lehrangeboten und Abschlüsse. Denn trotz der formal gleichen Qualifikationen stehen am Ende beider Laufbahnen (Hochschule und Fachhochschule) praktisch und faktisch durchaus unterschiedliche Kompetenzen im Raum.

 

Aufgaben und Fragen, die im Entwurf eines Zukunftsszenarios im Buch fundiert aufgegriffen werden und in Bezug auf die mögliche Einordnung der „Hochschule für angewandte Wissenschaften“ in ein differenziertes Hochschulsystem Antwortmöglichkeiten erfahren.

 

 

Alles in allem eine umfassende und diskussionsfördernde Aufarbeitung der Rolle der Fachhochschulen im Bologna Prozess und für die nähere Zukunft.

 

M.Lehmann-Pape 2014