wbv 2011
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Brigitte Seyfried (Hrsg.) – Ältere Beschäftigte: Zu jung, um alt zu sein

 

Impulse für ein verlängertes Arbeitsleben

 

Noch ist es so, dass viele Arbeitnehmer innerlich davon ausgehen, ihre konkrete Tätigkeit nicht bis zum Eintritt in das Rentenalter ausüben zu können. Andererseits ist ebenso die Bereitschaft groß, durchaus länger als bis zum bisher gesetzlich gewohnten Alter von 65 oder 67 Jahren zu arbeiten. Die aber eben allerdings unter dann veränderte Arbeitsbedingungen.

 

Zu diesem Thema bietet das Buch Forschungsergebnisse, aber auch Konzepte und Instrumente sowohl aus unternehmerischer als auch aus wissenschaftlicher Sicht vor und gut ist es, dass im Buch beides zusammenkommt, denn die rein wissenschaftliche Betrachtung alleine wäre zu wenig auf ihre Praxistauglichkeit hin überprüft und eine rein unternehmerische Sicht stünde in Gefahr, zu kurz zu greifen. Hierbei stellt das Buch auch nicht den Anspruch an sich, die anstehenden Probleme und Veränderungsprozesse zu lösen, sondern bietet wertvolle Diskussionsbeiträge auf dem Weg in eine zu verrändernde Arbeitswelt aufgrund des demographischen Wandels. Prognostiziert für das Jahr 2060 ist, dass jeder Dritte Deutsche über 65 Jahre alt sein wird.

 

In einer breiten Themenauswahl finden sich zu diesem komplexen Thema Beiträge im Buch. Der Zusammenhang zwischen subjektiven Altersbildern und deren Effekte auf Leistungsfähigkeit, gesundheitliches Wohlbefinden, Bildungsverhalten und, ganz allgemein, auf die Orientierung und Motivation von Arbeitnehmern zeigt Bernhard Schmidt eingängig auf. Im Zusammenhang hiermit sind sicherlich die Einlassungen von Bienert und auch Kaiser zu verstehen, die das betriebliche Gesundheitsmanagement in den Blick rücken und hier auch praktische Orientierungen aufzeigen. Themen der Bildung für ältere Beschäftigte, auch ein Blick auf eine betriebliche Weiterbildung für die Nacherwerbsphase finden sich im Buch.

 

Bedeutsam vor allem die Untersuchung von Lenze, Mühlenbrock und Riechel zu einer altergerechten Arbeitskultur, in der das Projekt „MiaA) vorgestellt wird, in dem die Motivation des „Arbeiten Wollens“ den Schwerpunkt bildet. Wie können ältere Arbeitnehmer, zugleich aber auch Unternehmen motiviert werden, sich mit einer verlängerten Arbeitszeit konstruktiv auseinanderzusetzen und Angebote zu entwickeln, die auch angenommen werden? Die dargestellten Ergebnisse des Projektes weisen hier interessante Impulse auf. Ebenso geht Clemens Volkwein in dieser Richtung voran, wenn er die Potentiale jeden Alters benennt und im Rahmen des Personalmangements verankert sehen will.

 

Eine Fülle von Anstößen liegen somit wissenschaftlich aufgearbeitet im Buch vor, die aus verschiedenen Blickrichtungen das demographische Problem nicht nur unaufgeregt in den Blick rücken, sondern auch Impulse für eine Weiterarbeit am Thema bis hin zu konkret umsetzbaren Konzepten an die Hand geben. Ein wichtiges Buch zum Thema für politische Überlegungen, Bildungsträger, Unternehmer und die wissenschaftliche Weiterarbeit gleichermaßen eine gute Orientierung zum aktuellen Stand der Diskussion.

 

M.Lehmann-Pape 2011