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Christina Berndt – Zufriedenheit

 

„Resilienz“ praktisch

 

„Ich bin zufrieden“, als Antwort auf die Frage, wie es einem geht, lässt im allgemeinen Verständnis nicht immer etwas unbedingt Positives mitschwingen.

 

In Richtung eines „Ich kann nicht klagen“ oder „man muss ja allgemein zufrieden sein“ kann der Ausdruck allgemeiner Zufriedenheit eben so oder so verstanden werden. Die Erwartung auf die Frage, wie es geht, besteht im allgemein eben eher daraus, dass ein „Gut!“ als Antwort erfolgt.

 

„Zufriedenheit“ ist, zumindest in den Augen von Christina Berndt, eine deutlich unterschätzte Größe. Ein Begriff, in dem zu sehr so etwas wie „eine Kapitulation vor den Ansprüchen des Lebens“ mitschwingt. In einer Zeit, in der „Selbstverwirklichung“, „das Streben nach Glück“, nach „Erfolg“ weitaus höher bewertet werden, als ein „normales“ zufrieden-sein mit den Umständen des eigenen Lebens.

 

„Dabei ist der Zustand der Zufriedenheit doch der beste, den man erlangen kann“.

 

So die These von Christiane Berndt, die sie im Verlauf ihrer Darlegungen eindrucksvoll und überzeugend untermauert. Und bei der jene „Reislienz“, die sie in ihrem vorhergehenden Buch breit dargelegt und beschrieben hat, eine wichtige Rolle einnimmt.

 

Denn wer eine gewisse Standfestigkeit den Krisen des Lebens gegenüber gewonnen hat, der ist auch eher in der Lage, den „ganz normalen Lauf der Dinge“ (und der ist in Deutschland auf einem durchschnittlich recht hohen Niveau angesiedelt) wirklich wert zu schätzen.

 

Wie aber gelangt man zur Einsicht in den hohen Wert von „Zufriedenheit“ und wie erreicht man selbst diesen inneren Zustand in einer Welt, die immer neue Reize setzt, die einen gewissen „Erfolgsdruck“ produziert, die aber auch eine „Erfolgslust“ ständig anreizt und damit das gerade Erreichte oft als „schon wieder nicht ausreichend“ kennzeichnet?

 

Mittels eingestreuter Selbst-Tests und ausführlicher Darlegungen öffnet Berndt im Verlauf des Buches einen durchaus motivierenden Weg, Zufriedenheit zu lernen.

 

Wobei dabei „die Kunst des Loslassens“ und die Wichtigkeit, „eigene Ziele zu verfolgen“ als Kernkompetenzen gesetzt und erläutert werden.

 

Wobei sowohl der Weg, mehr der (wirklichen) eigenen Ansprüche zu erfüllen zufriedener macht, wie eben auch das Erlernen eines „defensiveren“ Weges, die eigenen Ansprüche der Wirklichkeit anzugleichen.

 

Dies bedeutet eben nicht, und das ist einmal gut zu lesen, eine „Niederlage“ oder ein „Aufstecken“, sondern beinhaltet vor allem einen gewissen Realitätssinn und eine Abkehr von ständig im Raume schwirrender „Omnipotenz“ Gedanken, wie sie z.B. in der Werbung, aber auch bereits im Anspruch an schulische Leistungen zu sehr vermittelt werden.

 

„Das unaufhörliche Streben nach Mehr“ ist zwar zum guten Teil auch evolutionär angelegt, gelangt aber inzwischen, was die technischen Möglichkeiten und die sozialen Errungenschaften angeht auch an natürliche Grenzen. Dieses Akzeptieren von Grenzen nun ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer persönlichen Zufriedenheit, für den Berndt Mut macht.

 

Mut zur „Gelassenheit und Seelenruhe“, für die Berndt im Buch auch Entwicklungsschritte kennzeichnet.

 

Vielfach sind die im Buch ausgebreiteten Gedanken nicht neu (Berndt selbst nennt die „Stoa“ als eine der Quellen zur „Entdeckung der Zufriedenheit“, doch sehr verständlich und nachvollziehbar fasst Berndt den Wert der Zufriedenheit und den Weg dorthin zusammen.

 

 

M.Lehmann-Pape 2016