J.B.Metzler 2017
J.B.Metzler 2017

Claus Leggewie, Erik Meyer (Hg.) – Global Pop

 

Differenzierte und vielfältige Darstellung der „Weltmusik“

 

Klar ist (und die Herausgeber wissen darum und betonen dies im Vorwort), ein Kompendium zum „Global Pop“ braucht den „Mut zur Lücke“, denn überübersehbar ist das Feld der populären Weltmusik, einfach nicht im Gesamten zu erfassen.

 

Wohl aber, und das gelingt dem Werk überaus gut, kann man erwarten, die grundlegenden Linien, gegenseitigen Beeinflussungen und Wirkmächtigen des „Global Pop“ grundlegend zu beschreiben.

 

Vom „Konzept und Anschlüsse“ (die Schwierigkeiten einer allgemeingültigen Definition mit im Blick haltend) über „Akteure und Projekte, „Infrastrukturen und Instrumente“ (samt der „Widerkehr der Ukulele“), „Sound und Raum“ betrachtend (Folk, Volksmusik im deutschsprachigen Raum, Pop, Turbofolk, Balkanmusik und ihre Verbreitung auf dem westeuropäischen Markt, die klassische Sitar und der nun allgegenwärtige Laptop, die moderne, westafrikanische Popmusik (die ja durchaus auf langen Traditionen inzwischen aufbauen kann), ein Blick nach Japan (was gar nicht eindeutig japanisch klingen mag), Rai und Hiphop in Algerien bis hin zur entlegenen Kameruner Popmusik, dieser letzte Hauptteil fächert in großer Breite und überaus interessant zu lesen die „Praxis“ der „Weltmusik“ fundiert auf und beantwortet nicht alle Fragen, bietet aber jede Menge Ansatzpunkte für eine Vertiefung des Wissens und eine strukturierte Weiterarbeit.

 

SO eröffnet das Buch inhaltlich zunächst den kulturellen und kulturwissenschaftlichen Kontext und Horizont des Themas. Um dann im Folgenden dies an der Praxis dergestalt zu konkretisieren, dass „begründende“ Personen und Tendenzen im Blick auf die Weltmusik gewürdigt und gewichtet werden.

 

Hier bildet Peter Gabriel übrigens einen nicht unwichtigen, zu seiner Zeit gar zentralen Dreh- und Angelpunkt, denn der ehemalige Genesis Sänger hat bereits früh Ende der 70er Jahre begonnen, „Weltmusik“ in sein eigenes Schaffen (vor allem Rhythmen, aber auch damals „exotische“ Instrumente) einzubeziehen und nutzt auch in der Gegenwart noch eigene Konzerte immer ein gutes Stück auch zur Vermittlung anderer musikalischer Welten und Traditionen (allein schon, was Vorgruppen angeht). Was auch zur Person von Manu Chao in bester Weise im Buch führt und viele weitere Personen als „Entwicklungspunkte“ mit benennt.

 

Auf dieser breiten Basis der ersten beiden Hauptteile werden dann die „Vollzüge“ in den Blick genommen, was in der Moderne vor allem eine Betrachtung der Märkte miteinschließt. Infrastrukturen, politisch-soziale Bewegungen, denen die jeweilige Musik Ausdruck verleiht und solche manches Mal erst in Bewegung setzt, touristische Bedeutungen und musikwirtschaftliche Instrumente, eine vielfache Beleuchtung der „Außenwirkung“ und der Gründe für diese findet hier ihren Platz.

 

Bis dann aktuell und konkret, wie erwähnt, bei Weitem nicht alles und jeden aufnehmen könnend, anhand konkreter Musiker, Genres und Stile ein durchaus fundierter Blick in exemplarischer Form auf die „Weltmusik“ geworfen wird.

 

Das ganze vollziehen die verschiedenen Autoren im  Buch durchweg in verständlicher Sprache und griffigen Formulierungen, mit einigen sprachlichen Verweisen auf die Musikgeschichte (The Art formerly known as wolrd music hat „Prince“ wunderbar im Blick).

 

Und immer verbleibt dabei im Hintergrund, dass Musik ein „besonders affektiv besetztes Medium menschlicher Kommunikation“ darstellt und ein hervorragendes „Demonstrationsobjekt für die Auflösung der Trennung von Eigenem und Fremden“. Und das eben auf je eigene Weise weltweit.

 

So dass deutlich ehrausgearbeitet wird, wie neben der Dominanz (auch und gerade wirtschaftlich und wirtschaftlich erzeugt) westlicher Pop Musik einerseits lokale Nischen bewahrt werden und anderseits lokale Einflüsse in die „große Gemengelage“ populärer Mainstream-Musik einbezogen werden.

 

 

Eine interessante und, trotz der nicht zu vermeidenden Lücken im Konkreten, aussagekräftige Untersuchung der „Weltmusik“.

 

M.Lehmann-Pape 2017