Metzler 2014
Metzler 2014

Clemens Kammler, Rolf Parr, Ulrich Johannes Schneider (Hg.) – Foucault Handbuch

 

Werk, Themen und Kontexte

 

Als einer, der ganz neue „Ordnungen der Diskurse“ hervorgebracht hat und damit eine überaus prägende Kraft für die Kultur- und Sozialwissenschaften entfaltet hat, ist Foucault einer der wichtigsten Denker der Moderne.

 

Mit Hilfe dieses sehr überlegt strukturierten und sehr ausführlich die „Bereiche des Denkens“ betrachtende (und diese dabei in die jeweiligen Kontexte stellende) Handbuches erhält der Leser eine sehr fundierten, übersichtlichen Zugang zum Denken, zu den Themen, zur Rezeption des Philosophen. Und zur „Basis“ seiner Wirkung, dem „Legen der Aufmerksamkeit auf die über Einzelindividuen und ihre Äußerungen hinausgehenden Regularitäten von Diskursen“,

 

Mit der Folge einer sich ständigen selbst revidierenden, immer wieder neu die Dinge angehenden „Diskursivitätsdenkens“, welches Foucault begründet hat und dem die Autoren des Buches von verschiedenen „Startpunkten“ aus immer wieder folgen.

 

Wobei die „intellektuelle Biographie“ Foucaults und damit seine Verortung im Denken seiner Zeit den ersten Teil des Werkes bildet, bevor im zweiten Hauptteil Beiträge zu den einzelnen Werken, aber auch Werkgruppen des Denkers sorgsam nachvollzogen werden.

 

Von der Psychologie zu „Wahnsinn und Gesellschaft“, von der „Ordnung der Dinge“ zum „Willen zum Wissen“ („Sexualität und Wahrheit“), vom Gebrauch der Lüste bis zu den Werkgruppen der „Dits et Ecrits“ und der Vorlesungen Foucaults findet der Leser Einführungen in alle wesentlichen Gedanken (und Entwicklungen) Foucaults.

 

Im dritten und Hauptteil des Buches verorten die Autoren Werk und Person in die entsprechenden Kontexte der Zeit und Rezeption gestellt.

 

Von Referenzautoren wie Kant und Nietsche über die zeitgenössischen Bezüge wie Existentialismus und Strukturalismus und „Denkern der Zeit“ (und Umgebung) wie Lacan oder Derrida führt der Weg dann zur Diskussion der „Begriffe und Konzepte“ Foucaults, die aus vielfachen Richtungen in großer Breite im Handbuch vorliegen.

 

 In diesem Teil schärfen die Autoren des Buches zudem „den Werkzeugkasten“ Foucaults durch eine Herausstellung seiner wichtigsten Arbeitsbegriffe.

 

Mit den „Anschlüssen an Foucault“, für die Judith Bulter, Antonio Negri und andere stehen, schließen die Betrachtungen, nicht ohne in diesen Betrachtungen immer wieder den Blick auf die Gegenwart und Zukunft zu legen und die Fragen nach dem zukünftigen „Arbeiten mit Foucault“ mit Impulsen zu versehen.

 

Selbstverständlich bieten die Überschneidungen und Differenzen (Kritische Theorie, Luhmann und Bordieu) hier zum Abschluss des Handbuches auch die Einordnung in (auch aktuelle) Denksysteme.

 

Immer wieder wird kritisch, reflektierend dabei in verständlicher (wenn auch anspruchsvoller) Form jene „Geschichte der Systeme des Denkens“ und die „Ordnung des Diskurses“ vor Augen geführt, in der sich im Kern das Denken Foucaults immer wieder gespiegelt hat, wie auch sein „Machtbegriff“ (der das politische Denken steuert, nicht die „Suche nach einer gerechten Gesellschaft“) und seine Entwicklungen am Ende wieder hin zu klassischen philosophischen Theoremen im Handbuch nicht fehlen.

 

 

Eine breite, fundierte, nicht immer leicht zu lesende aber umfassend informierende Darstellung, welche die Mühe der Lektüre zum Verständnis des Denkens und Werkes Foucaults lohnt.

 

M.Lehmann-Pape 2014